St. Paulis Banner-Aktion gegen Vuskovic ist keine Rivalität – sie ist billig
Nach dem 0:0 im Derby verurteilt der HSV-Profi die Provokationen gegen seine Familie.
Das 113. Hamburger Stadtderby endete torlos, aber nicht ohne Nachspiel. Luka Vuskovic, 18 Jahre alt und seit Sommer von Tottenham Hotspur an den HSV ausgeliehen, ließ seinem Ärger nach dem Abpfiff freien Lauf. Der Grund: Provokationen der St.-Pauli-Fans gegen ihn und seinen Bruder Mario, der wegen eines positiven EPO-Befunds noch bis November 2026 gesperrt ist.
Die Heim-Fans hatten während des Spiels ein Banner entrollt, das Mario Vuskovic mit einer als Spritze stilisierten Buchstaben-Grafik verspottete. Die Botschaft war unmissverständlich, die Absicht ebenso. Luka Vuskovic reagierte nach Abpfiff mit einem Zeigefinger auf den Lippen in Richtung der Tribüne und fand anschließend deutliche Worte: Er habe nichts Gutes über diese Fans zu sagen, der Angriff auf seine Familie sei respektlos.
Man kann über die Dopingsperre von Mario Vuskovic denken, was man will. Der Befund ist dokumentiert, die Strafe rechtskräftig. Aber Luka Vuskovic hat mit dem Fall seines Bruders nichts zu tun. Er ist ein Teenager, der versucht, sich im deutschen Profifußball zu etablieren. Ihn für die Verfehlungen eines Familienmitglieds in Sippenhaft zu nehmen, ist weder clever noch fair. Es ist schlicht billig.
Vuskovic trägt viel Last beim HSV
HSV-Trainer Merlin Polzin stellte sich vor seinen Spieler und sprach von einem jungen Menschen, der viel Last trage. Das ist keine Übertreibung. Wer mit 18 Jahren in einem aufgeladenen Derby spielt und dabei permanent mit der Geschichte seines Bruders konfrontiert wird, braucht mentale Stärke. Dass Vuskovic emotional reagierte, ist nachvollziehbar. Dass er sich nicht versteckte, spricht für seinen Charakter.
Die Frage, die bleibt: Was soll das Ganze? Rivalität im Fußball lebt von Provokation, von Sticheleien, von der Lust am Ärgern des Gegners. Das gehört dazu. Aber es gibt Grenzen. Ein Banner, das einen gesperrten Spieler verhöhnt, der nicht einmal auf dem Platz steht, trifft vor allem dessen jüngeren Bruder, der gerade seine ersten Schritte im Profifußball macht. Das ist kein cleverer Support, das ist Kollateralschaden mit Ansage.
Polzin formulierte es diplomatisch, aber deutlich: Solche Aktionen hätten nichts mit dem zu tun, wofür beide Vereine und die Stadt Hamburg stehen sollten. Er hat recht. Hamburg präsentiert sich gern als weltoffene Metropole. Dann sollte auch das Millerntor-Stadion ein Ort sein, an dem man zwischen einem Dopingsünder und seinem unbeteiligten Bruder unterscheiden kann.
Luka Vuskovic wird dieses Derby nicht vergessen. Die Frage ist, ob die Verantwortlichen bei St. Pauli sich fragen, ob solche Aktionen wirklich das sind, was ihren Verein ausmachen soll. Die Antwort sollte eigentlich klar sein.