So verspielt TSG Hoffenheim die Champions-League-Chance
Die TSG stürzt ab, doch der Trainer redet von Konstanz. Zwischen Souveränität und Realitätsverweigerung liegen nur wenige Wochen.
Ein Sieg aus sechs Spielen. Platz drei verloren, auf Platz fünf abgerutscht, zuletzt ein 0:5 in Leipzig und eine Heimniederlage gegen Mainz. Und Christian Ilzer spricht von einem „konstanten Level, das die Mannschaft liefert". Entweder sieht der Trainer etwas, das die Ergebnisse nicht hergeben – oder er redet sich eine Realität schön, die ihm gerade entgleitet.
Man muss anerkennen, woher Hoffenheim kommt. Anfang 2025 stand die TSG auf Platz 16, Abstiegskampf, Krisenmodus. Dass Ilzer und Geschäftsführer Andreas Schicker – beide als Doublegewinner von Sturm Graz gekommen – daraus einen Champions-League-Anwärter geformt haben, ist die bemerkenswerteste Trainerleistung dieser Saison. 50 Punkte nach 26 Spieltagen waren Vereinsrekord. In den vergangenen fünf Saisons qualifizierten sich alle 14 Teams mit mindestens dieser Punktzahl zu diesem Zeitpunkt für die Königsklasse. Die Fallhöhe, die Hoffenheim jetzt hat, ist eine selbst geschaffene – und genau deshalb so gefährlich.
Denn das Restprogramm verzeiht keine Gelassenheit auf Vorrat. Nach Augsburg am Freitag warten Borussia Dortmund, der Hamburger SV, der VfB Stuttgart und Werder Bremen. Wer in dieser Phase zwei Punkte aus sechs Spielen holt und dabei 1:8 Tore kassiert – Mainz und Leipzig zusammengenommen –, der hat kein Formproblem. Der hat ein Momentum-Problem. Und Momentum lässt sich nicht mit Stoizismus lösen.
Ilzer selbst liefert den Widerspruch, den er eigentlich vermeiden will. Er sagt, die ausbleibenden Ergebnisse „bewirken natürlich etwas im Kopf". Das ist der ehrlichste Satz seiner Pressekonferenz – und er untergräbt alles, was drumherum an Ruhe inszeniert wird. Wenn es im Kopf arbeitet, dann ist die Gelassenheit des Trainers kein Schutzschild für die Mannschaft, sondern eine Fassade. Die Spieler spüren den Unterschied.
Es gibt gute Gründe, Ilzer Vertrauen zu schenken. Er hat bewiesen, dass er eine Mannschaft aus einer Krise führen kann – er hat es in genau dieser Saison schon einmal getan. Und sein Satz, man solle sich „auf das fokussieren, was wir am Spieltag beeinflussen können", ist kein leeres Trainerlatein, sondern eine Methode, die funktioniert hat, als Hoffenheim im Frühjahr 2025 die Wende schaffte. Die Fähigkeit, Druck auszublenden, war Ilzers größte Stärke. Nur: Dieselbe Fähigkeit wird zur Schwäche, wenn aus Ausblenden ein Verdrängen wird.
„In zwei Wochen kann unser Spiel schon wieder in Höhen gelobt werden, wo es vielleicht gar nicht hingehört", sagt Ilzer. Der Satz klingt nach Souveränität. Aber er funktioniert auch als Alibi – nach oben wie nach unten. Wenn alles relativ ist, muss man sich nie dem Befund stellen. Und der Befund lautet: Hoffenheim verspielt gerade die beste Ausgangsposition, die der Verein seit Jahren hatte. Nicht durch einen Umbruch, nicht durch Verletzungspech, sondern durch eine schleichende Erosion im Ergebnis.
Beim Spiel in Augsburg, Tabellenplatz elf, selbst in schwacher Form, wird sich nichts Grundsätzliches entscheiden. Aber es wird sich zeigen, ob Ilzers Ruhe noch aus Überzeugung kommt – oder nur noch aus Gewohnheit. Der Abstand zwischen souveräner Führung und gefährlicher Realitätsverweigerung beträgt manchmal nur ein paar Wochen. Hoffenheim ist mittendrin.