Slots ehrliche Analyse offenbart Liverpools wahres Champions-League-Problem

Liverpool verliert 0:2 in Paris – und der Trainer gibt offen zu, dass es hätte schlimmer kommen können. Das Rückspiel wird zur Schicksalsfrage.

Slots ehrliche Analyse offenbart Liverpools wahres Champions-League-Problem
IMAGO/DeFodi Images

Arne Slot sagte nach dem Spiel einen Satz, den man von einem Trainer auf diesem Niveau selten hört: „Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir nur 0:2 verloren haben." Kein Drumherumreden, kein taktisches Schönfärben. Einfach die nackte Wahrheit. Und genau diese Ehrlichkeit ist das Problem – weil sie offenlegt, wie weit Liverpool von der absoluten Champions-League-Spitze entfernt ist. Trotz eines Kaders, der mit Florian Wirtz den teuersten Bundesliga-Export aller Zeiten in seinen Reihen hat.

18:3 Torschüsse zugunsten von Paris Saint-Germain. Zur Halbzeit: 8:0, dazu 70 Prozent Ballbesitz für den Titelverteidiger. Das sind keine Zahlen, die ein Auswärtsspiel beschreiben. Das ist ein Klassenunterschied. Désiré Doué traf in der 11. Minute per abgefälschtem Schuss, Chwitscha Kwarazchelia erhöhte in der 65. Minute nach einem Pass von João Neves, der Liverpools gesamte Defensivstruktur zerlegte. Dembélé traf in der 87. Minute noch den Außenpfosten. Es hätte schlimmer kommen können – und genau das meinte Slot.

Das taktische Experiment des Abends: ein 3-4-3 mit Mohamed Salah auf der Bank. Slot wollte Stabilität, bekam Passivität. Liverpools einzige nennenswerte Offensivaktion in 90 Minuten – ein Wirtz-Pass auf Frimpong in der 40. Minute, der aus spitzem Winkel knapp vorbeischoss, wohl ohnehin im Abseits. Das war alles. Ein Transfer allein baut kein System, das gegen Luis Enriques Pressing bestehen kann.

Virgil van Dijk, Kapitän und Anker dieses Teams, klammerte sich nach dem Abpfiff an die Restchance: „Das einzig Positive ist, dass wir nächste Woche noch ein weiteres Spiel vor uns haben." Anfield als letzte Hoffnung – der Mythos der Europapokal-Nächte an der Merseyside. Aber dieses Liverpool ist nicht das Liverpool, das solche Abende einst erzwungen hat. Vierte Auswärtsniederlage in Folge, erstmals seit April 2012. Platz fünf in der Premier League, 21 Punkte hinter Tabellenführer Arsenal. 15 Niederlagen in allen Wettbewerben diese Saison, darunter ein 0:4 im FA-Cup-Viertelfinale bei Manchester City. Das ist kein Formtief. Das ist ein Trend.

Slot hat Liverpool in seiner ersten Saison den Premier-League-Titel beschert – das darf niemand vergessen. Er hat bewiesen, dass er ein Team entwickeln kann. Aber die Champions League stellt andere Fragen: Kannst du dominieren, wenn der Gegner mindestens auf Augenhöhe ist? Kannst du ein Pressing aufziehen, das PSG den Atem nimmt, statt selbst nach Luft zu schnappen? In Paris lautete die Antwort unmissverständlich.

Die Berichte, wonach Xabi Alonso am Saisonende übernehmen könnte, sind der Schatten, der über allem liegt. Ob sie stimmen oder nicht – sie existieren, weil die Ergebnisse sie nähren. Slot spürt das. Seine Ehrlichkeit nach dem PSG-Spiel war kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klarheit. Er weiß, wo sein Team steht. Genau das macht seine Lage so unbequem: Wer die Wahrheit ausspricht, kann sich nicht mehr hinter ihr verstecken. Am Dienstag kommt PSG nach Anfield. Slot braucht dann nicht nur einen anderen Plan – er braucht ein anderes Liverpool.