Sebastian Hoeneß: Sein Sieg in Leverkusen ist mehr wert als drei Punkte
Der VfB Stuttgart gewinnt erstmals seit über sieben Jahren gegen Leverkusen.
Der VfB Stuttgart hat in Leverkusen ein Zeichen gesetzt, das weit über diesen Spieltag hinausreicht. Ein 4:1 gegen den Vizemeister, vier Tore vor der Pause, eine Demontage in der BayArena – das ist keine normale Bundesliga-Partie. Das ist eine Machtdemonstration.
Sebastian Hoeneß hat zwölf Anläufe gebraucht, um Bayer Leverkusen zu schlagen. Zwölf Spiele, in denen er als Trainer gegen die Werkself angetreten war, ohne einen Sieg zu holen. Diese Serie ist Geschichte. Und die Art, wie sie endete, sagt viel über den aktuellen Zustand beider Mannschaften aus.
Stuttgart spielte von der ersten Minute an so, als gäbe es keine Angstgegner-Statistik. Jamie Leweling traf früh, Maximilian Mittelstädt verwandelte einen Elfmeter, Deniz Undav krönte eine überragende erste Halbzeit mit dem vierten Treffer. Zur Pause stand es 4:0. Bayer Leverkusen, das Team, das in der vergangenen Saison die Meisterschaft holte, wirkte in dieser ersten Hälfte wie ein Sparringspartner.
Die Zahlen sind bemerkenswert: Seit 2010 hatte Stuttgart in 29 Pflichtspielen gegen Leverkusen nur einmal gewonnen. Der letzte Sieg lag über sieben Jahre zurück. Diese Bilanz war ein psychologischer Ballast, den der VfB an diesem Abend mit einer Leichtigkeit abwarf, die fast schon irritierend wirkte.
VfB Stuttgart nahm jedes Geschenk dankend an
Was diesen Sieg besonders macht, ist die Konsequenz. Vier Tore in 45 Minuten gegen eine Mannschaft, die in der Bundesliga zu den besten defensiven Einheiten zählt – das gelingt nicht durch Zufall. Das gelingt durch Präzision, durch Tempo, durch den unbedingten Willen, jeden Fehler des Gegners zu bestrafen. Leverkusen bot genug Fehler an, und Stuttgart nahm jedes Geschenk dankend an.
Für Hoeneß ist dieser Sieg mehr als drei Punkte. Es ist der Beweis, dass seine Mannschaft auch gegen die vermeintlich Großen bestehen kann. Im Rennen um die Champions League liegen beide Teams nun gleichauf. Der VfB hat gezeigt, dass er auf Augenhöhe agiert – nicht nur in der Tabelle, sondern auch auf dem Platz.
Leverkusen muss sich Fragen stellen. Das Team von Kasper Hjulmand fand nie ins Spiel, die Defensive war anfällig, die Offensive harmlos. Der Ehrentreffer durch Alejandro Grimaldo per Elfmeter war nicht mehr als Ergebniskosmetik.
Stuttgart hingegen darf diesen Abend genießen. Aber nicht zu lange. Die Bundesliga verzeiht keine Selbstzufriedenheit. Der nächste Gegner wartet bereits. Doch eines hat dieser Sieg bewiesen: Der VfB Stuttgart ist zurück im Konzert der Großen. Und diesmal nicht als Statist.