Schlotterbecks Pokergesicht setzt den BVB unter Druck
Nico Schlotterbeck plant seine Zukunft bei Borussia Dortmund bis zum Sommer zu klären.
Nico Schlotterbeck macht es spannend. Der Nationalspieler kündigt eine Grundsatzentscheidung über seine Zukunft bei Borussia Dortmund an, setzt sich selbst eine Deadline, die er nicht verrät, und betont gleichzeitig, er sei ein Bauchmensch. Das ist nach dem 3:0 bei Union Berlin clever kommuniziert, denn es hält alle Optionen offen und erhöht den Druck auf seinen Arbeitgeber.
Die Ausgangslage ist klar: Schlotterbecks Vertrag läuft bis 2027. Das bedeutet, der BVB steht im kommenden Sommer vor einer unangenehmen Situation, sollte der Innenverteidiger keine Verlängerung unterschreiben. Dann bliebe nur der Verkauf, um noch eine angemessene Ablöse zu erzielen. Ein Jahr später wäre der Verhandlungsspielraum deutlich geringer, zwei Jahre später ginge Schlotterbeck ablösefrei. Dortmund kennt dieses Szenario zur Genüge.
Dass sich der Verein optimistisch gibt, ist nachvollziehbar und gleichzeitig alternativlos. Trainer Niko Kovac nennt Schlotterbeck die Identifikation des Klubs und versichert, man werde alles tun, um ihn zu halten. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken spricht von laufenden Gesprächen und einem überragenden Zeichen, sollte Schlotterbeck bleiben. Die Wortwahl verrät, wie wichtig der 26-Jährige für die sportliche Planung ist.
Schlotterbeck liefert ausreichend Argumente für Millionenvertrag
Schlotterbeck selbst liefert Argumente für beide Seiten. Er fühle sich wohl, sagt er, dennoch sei es keine leichte Entscheidung. Die Betonung liegt auf dem Dennoch. Wer sich wohlfühlt und keine Zweifel hat, verlängert. Wer zögert, hat Gründe. Welche das sind, bleibt offen. Vielleicht locken größere Klubs, vielleicht fehlt die sportliche Perspektive, vielleicht stimmt das Gehaltsangebot nicht. Schlotterbeck schweigt dazu.
Bemerkenswert ist, wie er den Entscheidungsprozess beschreibt. Er werde sich mit seinem Vater und seinem Bruder Keven zusammensetzen. Das klingt nach einem engen Familienkreis, der die Karriereplanung steuert. Professionell, aber auch emotional. Der Bauchmensch Schlotterbeck wird am Ende auf sein Gefühl hören, nicht auf Tabellen oder Statistiken.
Für Dortmund ist die Situation unbequem. Der Verein hat in den vergangenen Jahren zu oft erlebt, wie Leistungsträger den Klub verließen, weil die Perspektive anderswo verlockender erschien. Schlotterbeck zu halten, wäre tatsächlich ein Signal. Es würde zeigen, dass der BVB nicht nur Durchgangsstation ist, sondern ein Ort, an dem Spieler langfristig planen können.
Ob dieses Signal kommt, entscheidet Schlotterbeck. Vor dem Sommer, wie er sagt. Die Uhr läuft.