Schlecht, schlechter, Mönchengladbach: Der Verein, den niemand mehr versteht

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über einen Spieltag für die Geschichtsbücher: Sieben Niederlagen zum Start hat noch kein Bundesligaklub geschafft

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Alexander Blessin (Borussia Moenchengladbach, Trainer) kommt zur Pressekonferenz. Pressekonferenz Borussia Moenchengladbach vor dem Spiel beim VfB Stuttgart, Fussball, Bundesliga, Saison 202
Foto: IMAGO/Eibner

Lothar Matthäus hat die Gabe, Dinge aus einem Blickwinkel zu betrachten, den sonst niemand einnehmen würde, und entsprechend prägend ist dann seine Wortwahl. So hat der Ex-Weltfußballer, glänzende TV-Analyst und Erfinder von "Wäre, wäre, Fahrradkette" diese Woche auch das Krisengebiet Mönchengladbach auf eine besondere Art umrissen: "Sie sind total im Abstiegssumpf – und da sind sie ganz, ganz unten."

Ich hoffe, dass das nicht stimmt, denn normalerweise ereilt einen im Ganzunten eines Sumpfes der Tod. Außer der Sumpf ist sehr, sehr flach – und das ist, um im Bild zu bleiben, die letzte Hoffnung von Borussia Mönchengladbach.

Bei null Punkten, zwei Trainern und 20 Gegentoren steht Mönchengladbach nach sechs Bundesligaspieltagen. Und heute geht's in Stuttgart gegen den VfB. Das ist, als würdest du mit minus 990 Euro auf dem Konto bei 1000 Euro Überziehungskredit deiner Bank mitteilen, dass du jetzt erst mal in den Louis Vuitton Superstore gehst.  

Beim Champions-League-Klub Stuttgart, der diese Woche dem spanischen Tabellenzweiten Atletico Madrid ein 1:1 abgerungen hat, droht Gladbach ein besonderer Rekord: Die ersten sieben Begegnungen einer Spielzeit hat in der 63-jährigen Geschichte der Bundesliga noch kein Klub verloren. Nein, wirklich, sogar Tasmania Berlin hatte im Oktober 1965 nach sieben Spielen zwei Punkte.

Schlecht, schlechter, Mönchengladbach – der Verein ist auf bestem Wege, zum HSV der Zwanzigerjahre zu werden.

Vielleicht hat alles damit zu tun, dass stets die unverständlichsten Personalentscheidungen getroffen werden. Ob Alexander Blessin zu dieser Kategorie gehört, muss sich noch zeigen, ich bin aber pessimistisch.

Fakt ist: Er ist in den vergangenen vier Jahren zweimal mit seinen Klubs abgestiegen (FC St. Pauli, Genua), war aber erfolgreich in Ostende und bei Union Saint-Gilloise, wo er 2024 den belgischen Pokal gewann. Und Blessin spielte früher für die Stuttgarter Kickers. Stammleser meiner Kolumne wissen, was das normalerweise bedeutet: Immunität.

Leider geht es aber, seit Blessin in Gladbach ist, nicht bergauf. Es setzte unter ihm in zwei Spielen zwei Niederlagen – gegen Hoffenheim und in Köln, also ausgerechnet gegen Klubs, die zum Zeitpunkt des Spiels selbst mächtig in der Krise steckten. Blöd obendrein, dass den Verein Verletzungsprobleme quälen. Kapitän Tim Kleindienst ist seit über einem Jahr keine Verstärkung mehr, und Neuzugang Enzo Leopold hat einen Kreuzbandriss.

"Momentan scheint das Szenario, dass wir bereits irgendwann im Winter die Lichter ausknipsen können, mehr als realistisch", schrieb gerade erst der Fan-Dachverband und forderte Präsident Rainer Bonhof mal wieder zum Rücktritt auf. Man werde "nicht tatenlos zusehen, wie unser Verein vor die Wand gefahren wird".

Wand oder Sumpf, Hauptsache nicht Letzter.


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