Schiedsrichter, die bei den Klubs unterschreiben sollen: Undenkbar!

In Australien bleibt die Pfeife stumm. Was nach Gehaltsstreit klingt, rüttelt an einem Prinzip, das der Verband selbst preisgeben wollte.

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August 26, 2026, Preston, Victoria, Australia: Referee TOM FELL, Assistant Referee MATTEO BRAZZALE, and Assistant Referee CAMERON WRIGHT lead the players out for the start of the Hahn Austra
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Ein Schiedsrichter, der aus dem Ausland eingeflogen wird, um ein Pokal-Halbfinale zwischen Sydney FC und Melbourne Victory zu leiten – am kommenden Mittwoch. So weit ist es gekommen in Australien, weil die einheimischen Unparteiischen die Pfeife niedergelegt haben. Football Australia erwägt den Import eines Referees nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil kein eigener mehr pfeifen will.

Die Schiedsrichtervertretung PFRA hat mit überwältigender Mehrheit beschlossen, sich vorerst von allen Spielen zurückzuziehen. Das ist kein gewöhnlicher Lohnkampf, auch wenn ausstehende Vergütungen zur Debatte stehen: Der Kern ist die Frage, wem der Mann mit der Pfeife eigentlich gehört.

Denn Football Australia will die Unparteiischen künftig direkt bei den Australian Professional Leagues unter Vertrag nehmen – also bei der Klubvereinigung, die den Spielbetrieb der Liga verantwortet und damit genau jene Partien, die die Schiedsrichter leiten sollen. Ein Referee, der von denen bezahlt wird, über deren Spiele er entscheidet: Das ist der Interessenkonflikt, den die PFRA sieht, und man muss kein Freund von Arbeitskämpfen sein, um ihn zu erkennen.

„Niemand wird Schiedsrichter, weil er seine Dienste verweigern möchte. Diese Menschen lieben den Fußball und haben einen enormen Teil ihres Lebens dem Spiel gewidmet“, sagt PFRA-Präsident Evgeny Vizelman. Und dann legt er nach: „Dass wir uns vom Spielfeld zurückziehen, tut weh.“ Wer so über den eigenen Streik spricht, streikt nicht aus Trotz. Er streikt, weil ihm die Grundlage seiner Arbeit genommen werden soll.

Football Australia hätte diesen Weg wohl nicht vorgeschlagen, wenn die Anbindung an die APL nicht praktikabler und effizienter wäre – ein Vertragspartner statt vieler, klare Zuständigkeit, geregelte Bezahlung. Aus der Buchhaltung betrachtet ist das eine saubere Lösung. Nur ist Schiedsrichten keine Frage der Buchhaltung. Effizienz, die den Anschein von Abhängigkeit erzeugt, kostet am Ende mehr, als sie spart, weil sie das Einzige beschädigt, was ein Schiedsrichter verkaufen kann: dass niemand an ihm zieht.

Die Referees fordern stattdessen direkte Verträge mit Football Australia selbst oder mit einer unabhängigen Organisation. Das ist keine Maximalforderung, das ist der Mindeststandard, den jeder Zuschauer stillschweigend voraussetzt, wenn er sich auf eine Entscheidung verlässt. Ein Elfmeterpfiff für Sydney taugt nur, solange keiner fragen kann, wer den Pfeifenden bezahlt.

Der Verband hat mit seinem Vorschlag einen Zweifel gesät, den er nun teuer bezahlt. Ein Halbfinale ohne heimischen Schiedsrichter, ein eingeflogener Ersatz, eine Berufsgruppe, die geschlossen die Arbeit einstellt – das ist die Rechnung für den Versuch, die Unabhängigkeit als Kostenfaktor zu behandeln. Wer die Pfeife an die Klubs kettet, muss sich nicht wundern, wenn sie liegen bleibt.