Oliver Glasner und Crystal Palace: Stillhalteabkommen auf Zeit statt Krisenlösung

Trainer und Klubführung spielen auf Zeit, während die Fans den Verfall ihres Vereins mit ansehen müssen. Eine toxische Konstellation.

Oliver Glasner und Crystal Palace: Stillhalteabkommen auf Zeit statt Krisenlösung
IMAGO/PPAUK

Ein Spruchband sagt manchmal mehr als tausend Pressekonferenzen. „Glasner fertig" – so steht es auf dem Banner, das die Fans von Crystal Palace während des Spiels gegen Wolverhampton hochhalten. Und Oliver Glasner? Der nimmt es gelassen, spricht von berechtigter Enttäuschung, lobt die Unterstützung bis zum Schlusspfiff. Ich beobachte einen Trainer, der sich in einer Parallelwelt eingerichtet hat. Die Fakten sprechen eine brutale Sprache. Der erste Heimsieg seit Anfang November, erkämpft in der 90. Minute gegen das Tabellenschlusslicht. Schon beim Conference-League-Spiel in Bosnien forderten Fans seinen Rücktritt. Und was macht Glasner? Er kündigt selbst seinen Abschied im Sommer an und rechnet öffentlich mit der Klubführung ab. Das ist kein Befreiungsschlag, das ist Selbstzerstörung auf offener Bühne. Mich irritiert die Chuzpe, mit der hier alle Beteiligten so tun, als sei die Lage kontrollierbar. Glasner versichert, er genieße intern weiter Vertrauen von Vorstand, Vorsitzendem und Sportdirektor. Die gleiche Führungsebene, die er kurz zuvor öffentlich kritisiert hat. Das ist keine Vertrauensbasis, das ist ein Stillhalteabkommen auf Zeit. Beide Seiten wissen, dass die Trennung kommt. Beide Seiten spielen auf Zeit. Und beide Seiten nehmen in Kauf, dass Crystal Palace dabei weiter abrutscht. Die Fans haben das längst durchschaut. Ihr Spruchband richtet sich nicht nur gegen den Trainer, sondern auch gegen einen Vorstand, den sie als unfähig bezeichnen. Sie fühlen sich missachtet, und ich kann das nachvollziehen. Wer als Anhänger miterleben muss, wie sein Klub zwischen Abstiegskampf und internen Machtspielen zerrieben wird, hat jedes Recht auf Wut. Glasners Reaktion, die Kritik als legitimen Ausdruck von Enttäuschung zu rahmen, ist rhetorisch geschickt, aber inhaltlich leer. Er behandelt die Proteste wie ein Naturphänomen, das man aussitzen kann. Dabei ist er selbst Teil des Problems. Ein Trainer, der seinen Abgang ankündigt und gleichzeitig behauptet, zu hundert Prozent für den Erfolg des Klubs zu arbeiten, widerspricht sich selbst. Entweder man kämpft um seinen Job, oder man verabschiedet sich. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Crystal Palace steckt in einer Krise, die weit über die Tabellensituation hinausgeht. Die Kommunikation zwischen Trainer und Führung ist vergiftet, das Verhältnis zu den Fans zerrüttet. Der späte Sieg gegen Wolverhampton ändert daran nichts. Er verschafft allenfalls eine Atempause, die niemand nutzen wird, um die eigentlichen Probleme anzugehen. Die Frage ist nicht, ob Glasner im Sommer geht. Die Frage ist, ob Crystal Palace bis dahin noch weiß, wofür dieser Klub eigentlich steht.