Norrköping: Wenn der Kunstrasen brennt, ist es zu spät

Das Relegationsspiel in Schweden eskaliert durch massive Fan-Ausschreitungen und Pyrotechnik.

|30. November 2025|
251129 IFK Norrköpings supportrar med tifo inför match tva i kvalet till Allsvenskan mellan IFK Norrköping och Örgryte den 29 november 2025 i Norrköping. *** 251129 IFK Norrköpings supporters with tifo before match two in the qualifier for Allsvenskan between IFK Norrköping and Örgryte on November 29, 2025 in Norrköping PUBLICATIONxNOTxINxSWExNORxFINxDEN Copyright: MAGNUSxANDERSSON BB251129MN006
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IMAGO/Bildbyran

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Viereinhalb Stunden dauerte das Relegationsspiel zwischen IFK Norrköping und Örgryte IS. Nicht weil es so spannend war, sondern weil beide Fanlager das Stadion in eine Kampfzone verwandelten. Was in Schweden passierte, zeigt exemplarisch, wie hilflos der organisierte Fußball gegenüber gewaltbereiten Gruppen agiert. Die Verantwortlichen reden von Minderheiten und bedauern Einzelfälle, während die Realität längst eine andere Sprache spricht.

Vier Spielunterbrechungen, brennender Kunstrasen, niedergerissene Zäune – die Bilanz dieses Nachmittags liest sich wie ein Polizeibericht. Dabei ging es eigentlich um Sport: Nach 15 Jahren musste Norrköping den Gang in die Zweitklassigkeit antreten, während Örgryte den Aufstieg feierte. Doch diese sportliche Entscheidung verschwand vollständig hinter den Gewaltexzessen. Das Spiel wurde zur Nebensache, die Sicherheit von Spielern, Offiziellen und friedlichen Zuschauern systematisch gefährdet. Wer viereinhalb Stunden braucht, um 90 Minuten Fußball zu Ende zu bringen, hat die Kontrolle verloren.

Klubdirektor André Skagervik sprach hinterher von einer Minderheit, die für das Chaos verantwortlich sei. Diese Rhetorik kennen wir seit Jahrzehnten: Es sind immer nur wenige, es ist immer bedauerlich, und es wird sich immer distanziert. Nur ändert sich nichts. Die angebliche Minderheit schaffte es, ein ganzes Stadion in Geiselhaft zu nehmen. Sie bestimmte den Ablauf, nicht der Verein, nicht die Sicherheitskräfte, nicht die Mehrheit der friedlichen Fans. Wenn Skagervik die Vorfälle als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet, hat er recht. Aber seine Worte verhallen wirkungslos, solange keine Konsequenzen folgen.

Der Abstieg nach 15 Jahren hätte für Norrköping ein emotionaler Moment sein können – traurig, aber würdevoll. Stattdessen werden die Bilder brennenden Kunstrasens in Erinnerung bleiben. Die Fans, die ihren Verein über Jahre begleitet haben, wurden um ihren Abschied betrogen. Die Spieler, die sich sportlich nicht behaupten konnten, mussten ihre Niederlage in einem Hexenkessel erleben. Und Örgryte? Deren Aufstiegsfreude wurde von den eigenen Anhängern sabotiert, die schon früh im Spiel Zäune niederrissen.

Was in Norrköping passierte, ist kein schwedisches Problem. Es ist ein Symptom für die Kapitulation des Fußballs vor gewaltbereiten Gruppen. Solange Vereine und Verbände nur verbal verurteilen, aber praktisch dulden, werden solche Szenen zur Normalität. Die Minderheit, von der Skagervik spricht, agiert nur deshalb so selbstbewusst, weil sie weiß: Am Ende passiert nichts. Der Fußball brennt nicht nur in Schweden. Er brennt überall dort, wo Gewalt folgenlos bleibt.