Neuer Vertrag? HSV-Boss lässt Trainer Polzin zappeln

Seit dem 10. August steht die Richtung, unterschrieben ist nichts. Die neue Sportvorständin Kathleen Krüger wird an der Dauer ihrer ersten großen Personalentscheidung gemessen.

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Neuer Vertrag? HSV-Boss lässt Trainer Polzin zappeln
Foto: Imago / Jan Huebner

Wenn ein Bild-Reporter über einen Bundesliga-Trainer spricht, klingt das selten nach Werbebroschüre. Babak Milani, der den Hamburger SV seit Jahren für die Zeitung begleitet, hat im Podcast von Fever Pit'ch trotzdem eine halbe Laudatio gehalten — auf Cheftrainer Merlin Polzin und dessen Assistenten Loic Favé und Richard Krohn. Und dann schob er hinterher, ein Mann in seinem Beruf sollte eigentlich nicht so oft loben.

Der interessantere Satz kam gleich danach. „Wenn ich der HSV wäre, würde ich den Vertrag flugs verlängern", sagte Milani. Er begründete das mit dem Schaden: Jeder Tag in diesem Zustand koste den Klub etwas.

Eine Erklärung für die Verzögerung hat aber auch er nicht. „Bisher haben wir noch keine Antwort bekommen, warum es so lange dauert. Wir sind auch alle bisschen überrascht."

Das ist die eigentliche Nachricht dieses Spätsommers am Volkspark. Ein Klub, der nicht einmal seiner täglichen Boulevardbegleitung erklären kann, warum eine beschlossene Sache liegen bleibt, hat kein Verhandlungsproblem. Er hat ein Entscheidungsproblem.

Dabei ist die Sache ja seit vier Wochen klar. Am 10. August wurde berichtet, der HSV habe grundsätzlich entschieden, mit dem Trainerteam zu verlängern. Am 26. August, drei Tage vor dem Saisonstart, bat Polzin öffentlich um Klarheit: Es helfe immer, wenn die Mannschaft und alle im HSV wüssten, wie die Zukunft aussehe — und zwar zeitnah. Eine Woche später ist nichts unterschrieben.

Sportvorständin Kathleen Krüger ist seit Anfang Juli im Amt, die erste Frau auf diesem Posten in der Geschichte der Bundesliga, und das hier wird ihre erste große Personalentscheidung. Milani hat sie als kompetente, aber zurückhaltende Person kennengelernt und findet, sie lasse sich ein wenig zu viel Zeit. Er sagt aber auch: Es ist ihre Entscheidung.

Wer im Juli anfängt und im Herbst einen Vertrag über Jahre schließen soll, darf sich vorher ein Bild machen. Das ist Sorgfalt, und Krüger hat gute Gründe dafür. Sie kam in einen Klub, dessen vorheriger Sportvorstand Stefan Kuntz zum Jahreswechsel unter dubiosen Umständen ging und dessen Trennungsgründe der Verein zunächst anders darstellte, als sie waren. Wer nach so etwas übernimmt, prüft lieber einmal mehr.

Nur ist die Prüfung eben durch. Seit dem 10. August steht die Richtung, seither geht es nur noch um Laufzeit und Gehalt. Wer geprüft hat und zu einem Ergebnis gekommen ist, verhandelt nicht wochenlang weiter, der unterschreibt.

Was das Zögern kostet, lässt sich ausrechnen. Polzins Vertrag läuft bis Sommer 2027. Kommt keine Verlängerung, ist er im Winter ein Trainer mit einem halben Jahr Restlaufzeit, und jeder Konkurrent, jeder Spielerberater, jede Mannschaft weiß das.

Beim Gehalt vermutet Milani, Polzin verdiene noch immer ungefähr das, womit er als Aufsteigertrainer gestartet ist; angemessen wären aus seiner Sicht 1,2 Millionen Euro. Der HSV hat in diesem Sommer nach Hamburger Angaben rund 31,1 Millionen Euro für zehn Neuzugänge ausgegeben. An der Summe kann es also nicht liegen.

Handlungsfähig ist dieser Klub ja auch. Sportdirektor Claus Costa hat in denselben Wochen zehn Spieler geholt, Arsenal bei Fábio Vieira von 18 auf neun Millionen heruntergehandelt und Zakaria El Ouahdi für acht Millionen bekommen, nachdem 13 bis 18 im Gespräch waren. Milani über ihn: „Neun wäre die Obergrenze — und da ist er hart geblieben." Auf dem Transfermarkt hat der HSV seine Linie gehalten. Beim eigenen Trainer hält er sie nicht einmal fest.

Am Sonntag kommt Mainz 05 zum ersten Heimspiel in den Volkspark, nach dem 0:2 in Dortmund. Geht auch dieses Spiel verloren, steht in der Länderspielpause ein Trainer ohne Zukunft vor einer Mannschaft mit zehn neuen Spielern und einer Dreierkette, an der selbst Milani zweifelt. Es gibt bequemere Ausgangslagen für eine Unterschrift.

In Hamburg weiß seit dem 10. August jeder, wie diese Entscheidung ausfällt. Gemessen wird Kathleen Krüger deshalb an etwas anderem: daran, wie lange sie für eine Unterschrift gebraucht hat, die längst fällig war.

Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.

Takeaways

  • Am 10. August wurde berichtet, dass der HSV grundsätzlich entschieden hat, mit dem Trainerteam um Merlin Polzin zu verlängern.
  • Am 26. August bat Polzin öffentlich um zeitnahe Klarheit, drei Tage vor dem Saisonstart.
  • Babak Milani würde den Vertrag sofort verlängern und begründet das mit dem Schaden, den jeder Tag in diesem Zustand verursacht.
  • Eine Erklärung für die Verzögerung hat auch Milani nicht bekommen.
  • Kathleen Krüger ist seit dem 4. Juli Sportvorständin und trifft hier ihre erste große Personalentscheidung.
  • Polzins Vertrag läuft bis Sommer 2027, ohne Verlängerung hätte er im Winter ein halbes Jahr Restlaufzeit.
  • Der HSV gab in diesem Sommer nach Hamburger Angaben rund 31,1 Millionen Euro für zehn Neuzugänge aus.

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