Neuer darf sich Zeit nehmen – der FC Bayern muss das aushalten
Der Weltmeister von 2014 will seine Vertragsverlängerung erst im Frühjahr entscheiden.
Manuel Neuer macht es spannend. Der Kapitän des FC Bayern lässt sich Zeit mit der Entscheidung über seine Zukunft, und das ist sein gutes Recht. Wer mit 39 Jahren noch immer zur absoluten Weltklasse gehört, darf selbst bestimmen, wann er das letzte Kapitel seiner Karriere aufschlägt.
Die Signale aus Emertsham sind eindeutig: Neuer steht einer Vertragsverlängerung positiv gegenüber. Das ist die gute Nachricht für alle Bayern-Fans, die sich ein München ohne ihren Stammtorhüter noch nicht vorstellen können. Gleichzeitig behält er sich vor, die Entwicklungen der kommenden Monate abzuwarten. Ende März, Anfang April will er final entscheiden. Das ist kein Hinhalten, das ist Professionalität.
Denn Neuer weiß genau, worauf es ankommt. Er will sehen, wie sein Körper die Belastung verkraftet. Er will spüren, ob die Leidenschaft noch brennt. Und er will einschätzen können, wohin die Reise mit diesem FC Bayern geht. All das sind legitime Kriterien für einen Mann, der in seiner Karriere alles gewonnen hat und niemandem mehr etwas beweisen muss.
Die aktuelle Situation unterstreicht Neuers Haltung
Nach seinem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel, den er sich Mitte Dezember beim 2:2 gegen Mainz zugezogen hat, ist Neuer zuversichtlich, beim Wiederbeginn der Bundesliga am Sonntag gegen Wolfsburg wieder zwischen den Pfosten zu stehen. Diese Zuversicht ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass der Körper mitmacht, dass die Regeneration funktioniert, dass der Hunger noch da ist.
Für den FC Bayern ist Neuers Zögern ein zweischneidiges Schwert. Einerseits braucht der Verein Planungssicherheit. Die Torhüterfrage ist keine Nebensächlichkeit, sie betrifft das Fundament jeder Mannschaft. Andererseits wäre es töricht, Neuer unter Druck zu setzen. Wer einen solchen Ausnahmekönner in seinen Reihen hat, muss ihm den Raum geben, den er verdient.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Neuer noch der Neuer ist, den alle kennen. Ob er die Bälle hält, die andere durchlassen. Ob er die Abwehr organisiert, wie nur er es kann. Ob er in den entscheidenden Momenten der Saison den Unterschied macht. Wenn ja, gibt es keinen Grund, diese Partnerschaft zu beenden.
Manuel Neuer hat sich das Privileg erarbeitet, selbst zu entscheiden. Der FC Bayern sollte das akzeptieren und darauf vertrauen, dass am Ende eine Lösung steht, die für beide Seiten passt. Alles andere wäre dem größten deutschen Torhüter seiner Generation nicht würdig.