Nach Polanski-Aus: Für Gladbach wäre Mittelmaß schon ein Erfolg

Null Punkte, 3:12 Tore, Trainer entlassen: Die Krise sitzt bei Borussia Mönchengladbach auch im Kader. Sportchef Rouven Schröder steht damit selbst unter Druck.

Teilen
Nach Polanski-Aus: Für Gladbach wäre Mittelmaß schon ein Erfolg
Foto: Imago / Steinsiek.ch

Es gab Zeiten, da klang Mittelmaß für Borussia Mönchengladbach noch wie eine Drohung. In der aktuellen Lage dagegen fast schon wie eine Erlösung. Null Punkte, 3:12 Tore und Trainer Eugen Polanski schon nach drei Spieltagen gefeuert – bei der Borussia ist Krisenstimmung angesagt, die 2. Liga plötzlich wieder ein ziemlich reales Schreckensszenario. Zumal ein Trainerwechsel allein kaum ausreichen dürfte, um die Lage nachhaltig zu beruhigen.

Natürlich hat Polanski seinen Anteil an der Krise. Gladbach-Kenner Sebastian Hochrainer (WDR/Bild) benennt im Fever Pit’ch Podcast die Probleme: zu wenig Balance, zu wenig defensive Stabilität, zu wenig wirkungsvolles In-Game-Coaching. Doch Polanski musste zugleich zahlreiche Verletzungen in seinem runderneuerten Kader verkraften, der nach den Abgängen von Rocco Reitz und Nico Elvedi zwar breiter, in der Spitze aber schwächer dasteht. Hochrainers Urteil fällt entsprechend ernüchternd aus: „Da gibt es ja auch eigentlich so gut wie keinen Spieler, der Stammspieler in der Top Ten der Bundesliga wäre.“

Das relativiert Polanskis Fehler nicht. Es zeigt aber, warum seine Entlassung allein Gladbachs Probleme nicht lösen kann: Die Krise sitzt längst auch im Kader, für den Rouven Schröder die Verantwortung trägt. Er hielt im Sommer an Polanski fest, stellte dessen Trainerteam neu auf und verpflichtete zehn neue Spieler. Dass der Trainer drei Spieltage später gehen muss, erhöht deshalb auch den Druck auf den Sportchef. Hochrainer sieht Schröder „voll drin“ in der Krise.

Allerdings gelten auch für Schröder mildernde Umstände. Denn er muss heute reparieren, was lange vor seiner Verpflichtung kaputtgegangen war. Hohe Kaderkosten, fehlende Transfererlöse und der schleichende Verlust sportlicher Substanz haben Gladbach über Jahre von der Champions League ins Bundesliga-Mittelmaß geführt. Schröder hat diesen Niedergang nicht verursacht. Seine Aufgabe war es, ihn umzukehren. Bislang ist ihm das nicht gelungen.

Gladbachs aktuelle Lage ist deshalb mehr als ein Fehlstart. Ein Trainerwechsel wird nicht reichen, um zurückzuholen, was über Jahre verloren gegangen ist. Gladbach muss sich als Ganzes hinterfragen, sagt Hochrainer. „Selbstwahrnehmung und Realität … sollte sich schon die Waage halten. Und das, glaube ich, ist gerade nicht der Fall.“ Der Klub müsse akzeptieren, „dass man nicht zur Crème de la Crème der Bundesliga gehört“ und sich diesen Status erst wieder erarbeiten. Aktuell heißt die Realität Abstiegskampf, alles andere sei „komplett vermessen“. Der erste Schritt aus der Krise wäre deshalb, die eigenen Ansprüche endlich der eigenen Leistungsfähigkeit anzupassen. Mittelmaß wäre kein Zeichen des Scheiterns, sondern schon ein Erfolg.

Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.

Takeaways

  • Borussia Mönchengladbach steht nach drei Spieltagen bei null Punkten und 3:12 Toren.
  • Trainer Eugen Polanski wurde nach drei Spieltagen entlassen.
  • Sebastian Hochrainer nennt zu wenig Balance, zu wenig defensive Stabilität und zu wenig wirkungsvolles In-Game-Coaching als Probleme.
  • Polanski musste zahlreiche Verletzungen in einem runderneuerten Kader verkraften.
  • Nach den Abgängen von Rocco Reitz und Nico Elvedi ist der Kader breiter, in der Spitze aber schwächer.
  • Rouven Schröder hielt im Sommer an Polanski fest, stellte das Trainerteam neu auf und verpflichtete zehn neue Spieler.
  • Hohe Kaderkosten, fehlende Transfererlöse und der Verlust sportlicher Substanz führten Gladbach über Jahre von der Champions League ins Bundesliga-Mittelmaß.

▶️ Mehr Analysen und Talks gibt's auf Fever Pit'ch.