Münchner Torquote: Maier-Kritik an Bayern-Konkurrenz
Die bisherige Trefferausbeute der Bayern sagt nach Ansicht der Torhüter-Ikone mehr über Schwächen ihrer Gegner als über Münchens Stärke aus.
Für Bayern Münchens Torhüter-Ikone Sepp Maier zeugt die herausragende Torausbeute des Rekordmeisters in der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga ungeachtet der Stärken seines Ex-Klubs vor allem von mangelnder Konkurrenz. "Wir waren früher viel mehr gefordert. Wenn man sich die ganze Liga anschaut, muss ich sagen: Sie ist schwach geworden", sagte der frühere Welt- und Europameister in einem Interview mit dem Münchner Merkur/tz (Dienstag-Ausgabe)
Maier erlebte den nach 54 Jahren immer noch gültigen Torrekord der Bayern von 101 Treffern beim Titelgewinn 1972 als Münchner Schlussmann. Die angesichts der momentanen Bayern-Torquote möglich erscheinende Verbesserung der über ein halbes Jahrhundert alten Höchstmarke auf rechnerisch 122 Tore stellt Maier als Alarmsignal für das ganze Oberhaus dar: "Darüber sollten sich die anderen doch mal Gedanken machen. Bei uns hat es das nicht gegeben, dass man so oft so hoch gewonnen hat. Das lag aber nicht an uns, sondern an den besseren Gegnern."
Ungeachtet seiner Enttäuschung über Münchens heutige Kontrahenten würde der 82-Jährige seinen fußballerischen Urenkeln an der Säbener Straße den Torrekord gönnen. "Für mich ist das nicht schlimm. Rekorde sind doch da, um sie zu brechen. Daraus zieht man seinen Ehrgeiz. Man braucht ja Ziele, an denen man sich messen kann", meinte das Idol: "Ich feiere jedes Bayern-Tor. Da habe ich kein Problem mit. Ich bin auch glücklich, wenn die Bayern 125 Tore schießen."
Gleichwohl werden die modernen Bayern aus Maiers Sicht nicht eine solche Erfolgsära mit etwa jeweils drei Titeln im damaligen Europapokal der Landesmeister und in der Bundesliga begründen können wie die Münchner der 70er Jahre. Es könne trotz der Qualitäten von Münchens derzeitigem Trainer Vincent Kompany nichts Ähnliches zusammenwachsen wie zu seiner eigenen Zeit im Starensemble um "Kaiser" Franz Beckenbauer, meinte Maier, "weil aufgrund der äußeren Umstände mehr Unruhe drin ist." Gemessen am heutigem "Rummel" durch Spielerwechsel, Verhandlungen oder sportliche Probleme "haben wir es schon leichter gehabt".