Manuel Neuers Körper sendet ein Signal – Bayern muss jetzt handeln

Der erneute Muskelfaserriss ist kein Pech mehr. Der FC Bayern hat eine unbequeme Entscheidung beim fast 40-Jährigen zu lange aufgeschoben.

Manuel Neuers Körper sendet ein Signal – Bayern muss jetzt handeln
IMAGO/Eibner

Manuel Neuer erleidet einen Muskelfaserriss in der linken Wade, wird zur Halbzeit ausgewechselt, pausiert drei Wochen, feiert sein Comeback – und erleidet exakt an derselben Stelle erneut einen Muskelfaserriss. Ich beobachte diese Entwicklung mit wachsender Sorge, denn was sich hier abzeichnet, ist kein Pech mehr. Es ist ein Muster.

Der FC Bayern steht vor einem Problem, das sich nicht mit Durchhalteparolen lösen lässt. Neuer ist 39 Jahre alt, sein Körper sendet unmissverständliche Signale. Dieselbe Stelle, dieselbe Verletzung, derselbe Ablauf innerhalb weniger Wochen – das ist keine Verkettung unglücklicher Umstände, sondern ein biologisches Warnsignal. Die Frage, die sich die Münchner Verantwortlichen stellen müssen, lautet nicht mehr, wann Neuer zurückkommt. Sie lautet, ob er überhaupt noch regelmäßig auf diesem Niveau spielen kann.

Das Timing könnte kaum ungünstiger sein. Das Champions-League-Achtelfinale bei Atalanta Bergamo steht an, die heiße Phase der Saison beginnt. Bayern braucht seinen Kapitän, seinen Rückhalt, seine Erfahrung in genau diesen Spielen. Stattdessen muss Jonas Urbig ran – zum wiederholten Mal bereits als Neuer-Ersatz. Der junge Torhüter macht seine Sache ordentlich, aber er ist nicht Neuer. Niemand ist Neuer. Genau das ist das Problem. Aber man kann nicht wegsehen: Ende März wird Neuer 40 Jahre alt.

Die Münchner haben sich in eine Abhängigkeit manövriert, die nun zum Risiko wird. Jahrelang war Neuer so dominant, so unersetzlich, dass eine echte Nachfolgeplanung immer aufgeschoben werden konnte. Jetzt rächt sich diese Strategie. Urbig ist eine Übergangslösung, keine Antwort auf die Frage, wer langfristig das Bayern-Tor hütet. Die Klubführung muss sich ehrlich machen: Kann sie es sich leisten, die wichtigsten Spiele der Saison mit einem Torhüter zu bestreiten, dessen Körper ihm nicht mehr gehorcht?

Ich habe größten Respekt vor Neuers Karriere, vor seiner Klasse, vor seinem Willen. Aber Respekt darf nicht blind machen. Was wir gerade erleben, ist keine vorübergehende Schwächephase. Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dem sich auch der beste Torhüter seiner Generation nicht entziehen kann.