Manchester City: Profis erstatten Fans die Tickets: Eine Geste, die Zeit kauft, aber keine Siege

City-Stars zeigen sich nach Niederlage solidarisch mit ihren Fans.

Manchester City: Profis erstatten Fans die Tickets: Eine Geste, die Zeit kauft, aber keine Siege
IMAGO/Bildbyran

Die Geste ist klein, die Symbolik groß. Wenn die Kapitäne von Manchester City – Bernardo Silva, Rúben Dias, Rodri und Erling Haaland – gemeinsam in die Tasche greifen, um 374 Fans die Ticketkosten zu erstatten, dann ist das mehr als eine nette Aufmerksamkeit. Es ist ein Eingeständnis.

Knapp 11.000 Euro für einen der reichsten Kader der Welt – das ist Kleingeld. Für einen einzelnen Fan, der den weiten Weg an den Polarkreis auf sich genommen hat, um bei Minusgraden eine 1:3-Niederlage gegen Bodö/Glimt zu erleben, sind 29 Euro pro Ticket allerdings Teil einer deutlich größeren Rechnung. Flüge, Hotels, verlorene Arbeitszeit. Die Erstattung deckt einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Aber sie sendet eine Botschaft: Wir haben verstanden.

Was die Spieler verstanden haben, formulierte Haaland nach dem Spiel unmissverständlich. Der Norweger, der sich seine Rückkehr in die Heimat ganz anders vorgestellt hatte, sprach von Peinlichkeit und übernahm die volle Verantwortung für seine Torlosigkeit. Das ist bemerkenswert in einer Branche, in der Schuldzuweisungen an Schiedsrichter, Platzverhältnisse oder den Gegner zum Standardrepertoire gehören. Haaland macht das Gegenteil. Er zeigt auf sich selbst.

Krisenmanagement bei Manchester City?

Die Frage ist, ob diese Demutsgeste mehr ist als Krisenmanagement. Manchester City steckt in einer Ergebniskrise, die für einen Klub dieser Ansprüche beispiellos ist. Eine Niederlage gegen einen norwegischen Verein, dessen Stadion gerade einmal 8.000 Zuschauer fasst, passt nicht zum Selbstbild des amtierenden englischen Meisters. Die Reaktion der Spieler zeigt zumindest, dass sie die Dimension des Problems erkannt haben.

Kevin Parker vom offiziellen City-Fanclub sprach von einer unglaublichen Verbindung zwischen Spielern und Anhängern. Diese Verbindung wird in den kommenden Wochen auf die Probe gestellt. Denn eine Ticketerstattung ersetzt keine Siege. Sie kauft bestenfalls Zeit und Goodwill.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass selbst im durchkommerzialisierten Profifußball manchmal die einfachsten Gesten die wirkungsvollsten sind. Die City-Spieler hätten schweigen können. Sie hätten auf die nächste Pressekonferenz warten können, um standardisierte Durchhalteparolen zu verbreiten. Stattdessen haben sie gehandelt. Schnell, direkt, persönlich.

Das macht die sportliche Misere nicht ungeschehen. Aber es zeigt, dass hinter den Millionengehältern Menschen stehen, die verstehen, was Fans investieren – nicht nur finanziell, sondern emotional. Diese Erkenntnis ist im modernen Fußball keine Selbstverständlichkeit. Sie ist ein Anfang.