Mainz 05: Da Costas ehrliche Abrechnung mit der Belastungs-Jammerei der Topklubs
Wer Millionen verdient und Teil des Systems ist, sollte nicht über volle Spielpläne klagen. Die unbequeme Wahrheit aus Mainz.
Danny da Costa nennt es scheinheilig, wenn Profis über die Doppelbelastung klagen. Ich finde: Der Mann hat recht. Und ich finde es bemerkenswert, dass ausgerechnet ein Spieler eines Bundesligisten im Europapokal diese Wahrheit ausspricht, während anderswo die Jammerei kein Ende nimmt.
Da Costa trifft einen Nerv. Seine Argumentation ist simpel, aber sie sitzt: Wer Profi geworden ist, wollte erfolgreich sein. Wer erfolgreich ist, spielt in mehreren Wettbewerben. Sich dann über viele Spiele zu beschweren, ist tatsächlich schwer vermittelbar. Der Mainzer Verteidiger liefert damit eine Gegenposition zu einer Debatte, die vor allem von Topklubs und deren Spielern befeuert wird.
Ich beobachte diese Diskussion seit Jahren mit wachsendem Unbehagen. Die Klagen über zu viele Spiele kommen fast ausschließlich aus einer Blase, in der Millionengehälter fließen, in der Kader mit 25 oder mehr Profis bestückt sind, in der Rotation möglich wäre, wenn Trainer und Spieler es denn wollten. Stattdessen spielen dieselben Stars in jedem wichtigen Spiel, weil sie spielen wollen, weil ihre Berater Einsatzzeiten fordern, weil Vereine ihre teuersten Angestellten nicht auf der Bank parken möchten.
Da Costa widerspricht auch dem beliebten Vorwurf, die Intensität leide unter der Belastung. Laufleistung und Einsatz hätten gestimmt, sagt er. Die Ergebnisse hätten auch ohne Doppelbelastung nicht gepasst. Das ist eine ehrliche Selbstanalyse, die man sich von manchem Protagonisten der großen Klubs wünschen würde. Dort wird die Belastung gerne als Erklärung für alles herangezogen: für Niederlagen, für Verletzungen, für fehlende Frische. Ein bequemes Narrativ, das von der eigentlichen Frage ablenkt.
Die eigentliche Frage lautet: Wer trägt die Verantwortung für die Spielpläne? Es sind die Verbände, die Ligen, die Klubs selbst, die immer mehr Wettbewerbe wollen, weil mehr Spiele mehr Geld bedeuten. Die Spieler profitieren davon durch höhere Gehälter, größere Bühnen, lukrativere Werbeverträge. Sie sind Teil eines Systems, das sie selbst mit am Laufen halten.
Da Costa freut sich auf das nächste Spiel. Das ist die Haltung eines Profis, der verstanden hat, worum es geht. Die Frage ist nicht, ob die Belastung hoch ist. Die Frage ist, ob diejenigen, die am lautesten klagen, bereit wären, auf die Einnahmen zu verzichten, die mit dieser Belastung einhergehen.