Mainz 05 bleibt ungeschlagen und trotzdem Letzter: Glaube allein rettet keine Mannschaft
Nadiem Amiri zeigt sich trotz Rückschlag optimistisch im Abstiegskampf. Nur der Grund wird nicht ganz klar
Nadiem Amiri steht am Spielfeldrand in Berlin und sagt Sätze, die man in dieser Situation sagen muss. "Köpfe nach oben, Eier in die Hand nehmen." Der Nationalspieler des FSV Mainz 05 gibt den Kämpfer, den Unerschütterlichen. Zu 100 Prozent werde man den Klassenerhalt schaffen, verkündet er. Man sei zu gut für den Abstieg.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Neun Punkte nach 16 Spieltagen, Tabellenplatz 18. Das ist keine Momentaufnahme, das ist ein halbes Jahr Bundesliga-Realität. Wer nach dieser Ausbeute von Gewissheiten spricht, dass man ja nicht absteifen könne, der betreibt entweder Selbstsuggestion oder hat den Ernst der Lage nicht verstanden.
Das 2:2 bei Union Berlin ist symptomatisch für diese Mainzer Saison. Amiri trifft, der Ex-Unioner Benedict Hollerbach erhöht, alles läuft nach Plan. Dann kommen die letzten 15 Minuten, und die Mannschaft zerfällt. Wooyeong Jeong und Danilho Doekhi bestrafen Unkonzentriertheiten, die sich ein Abstiegskandidat nicht leisten darf. Ein sicher geglaubter Sieg wird zum Remis, der erhoffte Befreiungsschlag zum nächsten Rückschlag. Auch das ist Mainz 2025/26.
Mainz 05 vor einem Finale gegen Heidenheim
Trainer Urs Fischer, bei seiner emotionalen Rückkehr nach Berlin, formuliert es nüchtern: In dieser Situation wären drei Punkte besser gewesen. Das ist die freundliche Variante dessen, was alle wissen. Unter Fischer ist Mainz zwar ungeschlagen, drei Remis in Folge bringen den Klub aber nicht entscheidend weiter. Ungeschlagen und trotzdem Letzter – das ist die paradoxe Wahrheit dieser Mannschaft.
Amiri spricht von kleinen Schritten in die richtige Richtung, von vielen guten Sachen, die man gemacht habe. Irgendwann werde man sich mit drei Punkten belohnen. Dieses Irgendwann muss schnell kommen. Am Dienstag wartet Heidenheim, ein direktes Kellerduell. Amiri nennt es ein Finale. Er hat recht damit.
Die Frage ist, ob kämpferische Worte ausreichen. Mainz hat in dieser Saison oft gut gespielt und selten gewonnen. Die Mannschaft zeigt Moral, aber keine Kaltschnäuzigkeit. Sie kämpft, aber sie siegt nicht. Das ist der Unterschied zwischen Teams, die sich retten, und solchen, die absteigen.
Amiris Optimismus ist ehrenwert. Doch der Glaube allein hat noch keine Mannschaft in der Liga gehalten. Was Mainz jetzt braucht, sind keine Durchhalteparolen, sondern Ergebnisse. Gegen Heidenheim muss ein Sieg her. Alles andere wäre ein weiterer kleiner Schritt – in die falsche Richtung.