Lebenszeichen im Keller: Mainz dreht Partie gegen Wolfsburg
Die Rheinhessen rennen unermüdlich an - und belohnen sich in der zweiten Halbzeit.
Erst Chancenwucher, dann die Belohnung: Der FSV Mainz 05 hat mit einer starken Vorstellung einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga geschafft. Das Team von Urs Fischer gewann das wichtige Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg hochverdient mit 3:1 (0:1), gibt damit die rote Laterne nach nur einer Nacht wieder ab und rückt auf Relegationsplatz 16 vor. Die Rheinhessen zeigten eine starke Reaktion auf die erste Niederlage unter dem neuen Coach in der Vorwoche in Köln.
Phillip Tietz (68.), Stefan Bell (72.) und Nadiem Amiri (83., Handelfmeter nach Videobeweis) drehten die Partie, nach dem Tietz in der ersten Hälfte per Foulelfmeter noch am stark reagierenden Kamil Grabara gescheitert war (22.). Mohamed Amoura (3.) hatte die schwachen Wölfe früh in Führung gebracht. Durch die zweite Pleite im zweiten Auswärtsspiel des Jahres muss der Blick nun wieder sorgenvoll nach unten gehen, 19 Zähler nach 19 Spieltagen sind die schlechteste Bilanz der letzten 20 Jahre für die Niedersachsen.
Derzeit sei "das Selbstverständliche nicht so ausgeprägt", hatte Fischer vor dem Spiel gesagt: "Wenn wir das Rezept hätten, würden wir es anwenden und die Sache wäre geregelt. Es ist leider nicht so einfach." Noch schwerer machte es der kapitale Fehlstart: Schon nach 130 Sekunden traf Amoura nach flacher Hereingabe von Sael Kumbedi traumhaft per Hacke. Der direkt in die Mainzer Startelf gerutschte Neuzugang Stefan Posch konnte hinten in der Dreierkette nur machtlos zuschauen.
Mainz mühte sich ohne den zunächst nach Erkältung auf der Bank sitzenden Spielmacher Amiri um eine schnelle Antwort. Doch Tietz scheiterte erst aus spitzem Winkel an Grabara (5.) und ließ dann nach Foul von Vinicius Souza an Jae-Sung Lee die Riesengelegenheit vom Punkt liegen. Die Fischer-Elf blieb aber das bessere Team. Erst scheiterte Hollerbach per Volley am erneut glänzend reagierenden Grabara (30.), dann rettete Denis Vavro bei seinem Versuch auf der Linie (45.+5).
Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Kellerkind gegen die ohne Kapitän Maximilian Arnold (Gelbsperre) und Abwehrchef Konstantinos Koulierakis (muskuläre Probleme) angetretenen Wolfsburger tonangebend, erspielte sich aber nicht mehr ganz die Chancenfülle wie noch in Durchgang eins. Der VfL beschränkte sich aufs Verteidigen, eine echte Chance erspielten sich die Gäste nach dem Führungstor nicht mehr.
Erst die Einwechslung von Amiri (65.) brachte vor 30.000 Zuschauern frische Impulse. Dessen erste Ecke nickte Tietz gleich perfekt ein, nach einem weiteren Standard stocherte Bell den Ball über die Linie. Das Mainzer Urgestein holte auch den Handelfmeter heraus, nachdem er Dzenan Pejcinovic den Ball aus kurzer Distanz an die Hand köpfte. Amiri blieb cool, das Stadion bebte.