La Liga will Fans zu Denunzianten machen und vergiftet damit das eigene Spiel
Der spanische Verband setzt finanzielle Anreize, um illegales Streaming zu bekämpfen.
La Liga macht Ernst im Kampf gegen Schwarzseher. 50 Euro für jeden Hinweis auf illegales Streaming in Bars, Restaurants oder Wettbüros. Was klingt wie ein Schnäppchen für Hobby-Detektive, ist in Wahrheit ein bemerkenswertes Eingeständnis: Der spanische Profifußball hat die Kontrolle über seine eigenen Übertragungsrechte verloren.
Die Zahlen, die La-Liga-Präsident Javier Tebas in den Raum stellt, sind gewaltig. Zwischen 600 und 700 Millionen Euro sollen jährlich durch illegale Übertragungen verloren gehen. Das ist mehr als mancher Erstligist im Jahr umsetzt. Tebas spricht von einem Schaden für das gesamte Fußball-Ökosystem. Er hat recht damit. Denn wenn Geld an der offiziellen Verwertungskette vorbeiströmt, fehlt es am Ende überall: bei den Klubs, bei den Spielern, bei der Infrastruktur.
Doch die Methode, mit der La Liga nun gegensteuern will, wirft Fragen auf. Fans sollen zu Informanten werden. Eine Website, auf der man anonym und vertraulich melden kann, wenn der Wirt um die Ecke das Spiel über dubiose Kanäle zeigt. Das mag juristisch sauber sein. Aber es hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
Fußball lebt von Gemeinschaft. Von der Kneipe, in der sich Fremde beim Elfmeterschießen in den Armen liegen. Von der Bar, die zum zweiten Wohnzimmer wird, wenn der eigene Verein spielt. Ausgerechnet diese Orte sollen nun unter Generalverdacht gestellt werden. Ausgerechnet die Fans sollen ihre Nachbarn, ihre Wirte, ihre Stammkneipen verpfeifen. Für 50 Euro.
Man kann Tebas nicht vorwerfen, dass er das Problem ernst nimmt. Die TV-Piraterie ist real, der Schaden messbar. Und ja, es gibt Gastronomen, die sich bewusst auf Kosten der ehrlichen Konkurrenz bereichern. Dagegen vorzugehen ist legitim. Aber der Weg über ein Denunziationssystem ist der falsche.
La Liga sollte sich fragen, warum so viele Menschen überhaupt auf illegale Streams ausweichen. Die Antwort liegt oft in den Preisen der offiziellen Anbieter, in der Zersplitterung der Rechte auf immer mehr Plattformen, in der Unübersichtlichkeit des Marktes. Wer Piraterie bekämpfen will, muss auch über Zugänglichkeit reden. Über faire Preise. Über ein Angebot, das Menschen nicht in die Illegalität treibt.
Die 50 Euro pro Hinweis werden das Problem nicht lösen. Sie werden höchstens das Klima vergiften. Zwischen Fans und Wirten. Zwischen Nachbarn. Zwischen Menschen, die eigentlich nur gemeinsam Fußball schauen wollen. La Liga hat ein echtes Problem erkannt. Aber die Lösung ist keine.