Klopps Dilemma: Ein bisschen Füllkrug geht nicht
Die Füllkrug-Nominierung heute wäre keine Zukunftsentscheidung, sondern eine rein politische Maßnahme: Der Bundestrainer will sich nicht angreifbar machen.
Heute wird Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader für die zwei Länderspiele Mitte November bekanntgeben. Wenn die Vorzeichen nicht täuschen, wird jetzt doch einer dabei sein, den wir schon im Vorruhestand vermutet haben: Niclas Füllkrug. Klopp hat keine Wahl: Der Werder-Stürmer zerballert gerade die Bundesliga. Neun Tore in acht Spielen: Das ist eine Ansage.
Das Dilemma ist offensichtlich. Soll der DFB einen Nationalspieler berufen, der mit 33 keine große Zukunft mehr hat und deswegen bei der EM 2028 eher keine Verstärkung sein wird? Oder das Momentum nutzen und den formstärksten Stürmer zu den Pflichtspielen in der Nations League mitnehmen? Wir vergessen das manchmal: Auch in diesem UEFA-Wettbewerb geht's um Titel.

Die Füllkrug-Nominierung wäre keine Zukunftsentscheidung, sondern eine rein politische Maßnahme: Klopp will sich nicht angreifbar machen. Denn das kapiert ja jeder Amateur-Analyst: So viele treffsichere Torjäger hat Deutschland nicht, als dass man auf den besten verzichten könnte. Eine Nullnummer ohne Füllkrug im Kader würde man dem immer noch neuen Bundestrainer übelnehmen.
Ein bisschen erinnert mich die Situation ans Frühjahr, als die Nation Deniz Undav in der Startformation der Nationalmannschaft sehen wollte und Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann sich mit Händen und Füßen wehrte. Am Ende nahm er ihn mit zum WM-Turnier, setzte ihn halbherzig ein und schob ihm hinterher die Blamage gegen Paraguay in die Schuhe. Ich habe mich seinerzeit fremdgeschämt.
In die Undav-Falle sollte Klopp im Fall Füllkrug nicht tappen. Entweder ist er überzeugt, dass der Mann von Werder Bremen einen Mehrwert darstellt (dann darf es keine Diskussion um ihn geben), oder eben nicht - dann muss er ihn weglassen und das mit dem Verjüngungsprozess durchziehen. Ein bisschen Füllkrug, um die Stammtische zu beruhigen, bringt keinem was.
