Hütters Systemproblem: Eintracht auf Kante genäht
Vier Pausenführungen, fünf Punkte: Die Qualität ist da, die Struktur nicht. Der Trainer muss sie finden, mit einem Kader ohne Reserven.
Vier Spiele, vier Pausenführungen. Würde die Bundesliga nach 45 Minuten abgepfiffen, wäre Eintracht Frankfurt Tabellenführer. Nach der Pause dagegen gehört die Mannschaft zu den schlechtesten der Liga. Trainer Adi Hütter nennt das „zu wenig professionell“. Doch das Problem der Eintracht ist größer als fehlende Konzentration, mangelnde Intensität oder die üblichen Anpassungsprobleme nach einem Umbruch.
„Das sind halt Schwächen des Systems“, erklärt Daniel Höhr vom Hessischen Rundfunk im Fever Pit’ch Podcast. Er sieht vor allem in Hütters offensiver Idee und der Viererkette ein strukturelles Problem, das die Eintracht verwundbar macht. Frankfurt will Tempo, die Außenverteidiger sollen hochschieben, Ritsu Doan, Can Uzun, Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib für Gefahr sorgen. Geht dann der Ball verloren, werden die Räume dahinter groß. Höhr: „In meinen Augen entstehen da systembedingt ein paar Löcher.“
Die naheliegende Lösung hat Hütter bereits ausprobiert. Beim 3:1 in Mainz setzte er auf drei Innenverteidiger, gegen Freiburg sorgte die Umstellung während des Spiels ebenfalls für mehr Stabilität. „Mit drei Innenverteidigern kannst du das natürlich besser auffangen“, sagt Höhr. Doch Hütters Möglichkeiten, personell zu reagieren, sind begrenzt.
Nnamdi Collins kam gerade erst aus einer Verletzung zurück, Otavio braucht noch Zeit. Auf den Außenbahnen bestreiten Elias Baum und Keita Kosugi ihre erste Saison als Stammspieler. Wie dünn die Personaldecke an einigen Stellen ist, zeigt für Höhr ausgerechnet Ansgar Knauff: Er wird als Alternative im Angriff, auf der Außenbahn und auf den offensiven Halbpositionen gebraucht. „Das ist schon ein Kader, der ein bisschen auf Kante genäht ist“, sagt Höhr.
Dabei ist „auf Kante genäht“ nicht mit fehlender Qualität zu verwechseln. Das Problem ist vielmehr, wie diese Qualität im Kader verteilt ist. Im zentralen Mittelfeld könnte mit Rafael Onyedika und Noel Aséko sogar eine jahrelange Baustelle geschlossen sein. Über die Doppelsechs sagt Höhr: „Da hat man seine Lösung gefunden.“ Auch offensiv hat Hütter reichlich Qualität zur Verfügung. Gegen Freiburg trafen Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib beide.
Genau das macht Hütters Aufgabe so kompliziert. Die Eintracht ist individuell stärker, als es fünf Punkte aus vier Spielen vermuten lassen. Als Mannschaft ist sie noch nicht so weit. Hütter muss die vorhandene Qualität in eine Struktur bringen, die über 90 Minuten trägt. Vier Pausenführungen zeigen, dass diese Eintracht Spiele auf ihre Seite ziehen kann. Fünf Punkte zeigen, dass ihr noch die Stabilität fehlt, sie dort zu halten.
Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.
Takeaways
- Eintracht Frankfurt führte in vier Spielen zur Pause und holte daraus nur fünf Punkte.
- Daniel Höhr sieht in Adi Hütters offensiver Idee und der Viererkette ein strukturelles Problem.
- Beim 3:1 in Mainz und während des Freiburg-Spiels brachten drei Innenverteidiger mehr Stabilität.
- Nnamdi Collins kam gerade erst aus einer Verletzung zurück, Otavio braucht noch Zeit.
- Elias Baum und Keita Kosugi bestreiten ihre erste Saison als Stammspieler auf den Außenbahnen.
- Ansgar Knauff wird im Angriff, auf der Außenbahn und auf den offensiven Halbpositionen gebraucht.
- Mit Rafael Onyedika und Noel Aséko könnte auf der Doppelsechs eine jahrelange Baustelle geschlossen sein.
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