Hungerstreik nach Africa-Cup in Marokko: 18 Fans warten seit Wochen auf faire Verfahren

Senegalesische Fans treten wegen Verfahrensmissständen in einen Hungerstreik.

Hungerstreik nach Africa-Cup in Marokko: 18 Fans warten seit Wochen auf faire Verfahren
IMAGO/Anadolu Agency

Achtzehn Menschen sitzen seit Wochen in marokkanischer Untersuchungshaft, ohne zu wissen, was ihnen konkret vorgeworfen wird. Sie verstehen die Sprache nicht, in der sie vernommen werden. Jetzt verweigern sie die Nahrungsaufnahme. Das ist kein Fußballthema mehr. Das ist ein Rechtsstaatsproblem. Die senegalesischen Fans, die nach dem Africa-Cup-Finale in Rabat festgenommen wurden, haben am Freitag einen Hungerstreik begonnen. Ihr Anwalt Patrick Kabou bestätigt: Seine Mandanten warten seit dem 18. Januar darauf, die Anschuldigungen gegen sie zu erfahren. Die Vernehmungen finden auf Französisch oder Arabisch statt, nicht in Wolof, ihrer Muttersprache. Die Beschuldigten konnten ihre Sicht der Ereignisse bisher nicht darlegen. Man muss das sacken lassen. Hier geht es nicht um die Frage, ob diese Männer schuldig sind oder nicht. Die marokkanischen Behörden werfen ihnen Hooliganismus vor, gewalttätige Angriffe auf Sicherheitskräfte, Sachbeschädigung, das Werfen von Gegenständen. Das sind ernste Vorwürfe, die aufgeklärt werden müssen. Aber Aufklärung setzt voraus, dass Beschuldigte verstehen, was ihnen zur Last gelegt wird. Dass sie sich verteidigen können. Dass ein faires Verfahren stattfindet. Nichts davon scheint hier gegeben zu sein. Ein Prozess, der Ende Januar vertagt wurde, weil die Verteidigung mehr Zeit zur Akteneinsicht brauchte. Ein Antrag auf Freilassung gegen Auflagen, der am Tag vor dem Hungerstreik abgelehnt wurde. Und mittendrin achtzehn Männer, die seit fast einem Monat in einer juristischen Grauzone feststecken. Der Fußball hat diese Situation geschaffen. Ein emotionales Finale, Marokko gegen Senegal, der Gastgeber verliert in der Verlängerung. Was danach im Stadion passierte, muss untersucht werden. Aber der Fußball trägt auch Verantwortung dafür, wie mit den Beteiligten umgegangen wird. Der afrikanische Verband, die FIFA, die senegalesische Regierung – sie alle müssen sich fragen, ob sie genug tun, um grundlegende Verfahrensrechte einzufordern. Es geht hier nicht um Sympathie für mögliche Randalierer. Es geht um Standards, die nicht verhandelbar sein sollten. Das Recht, die Anklage zu kennen. Das Recht auf einen Dolmetscher. Das Recht, gehört zu werden. Diese Prinzipien gelten überall, auch in Marokko, auch für Fußballfans. Der nächste Verhandlungstermin ist der 12. Februar. Bis dahin hungern achtzehn Männer, weil sie keinen anderen Weg mehr sehen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Das sollte niemanden kaltlassen, der sich für diesen Sport interessiert. Fußball verbindet Menschen über Grenzen hinweg. Aber er darf nicht wegsehen, wenn Menschen an diesen Grenzen ihre grundlegenden Rechte verlieren.