Heidenheim: Frank Schmidt zeigt, wie man im Abstiegskampf trotzdem Haltung bewahrt
Zehn Punkte Rückstand, zwölf Spiele ohne Sieg – und trotzdem fordert der Heidenheim-Trainer Anstand statt Ausreden. Ein seltenes Bekenntnis.
Es gibt Momente im Fußball, in denen es nicht mehr um Punkte geht. In denen ein Trainer vor seine Mannschaft tritt und sagt: Jetzt zeigt mir, wer ihr wirklich seid. Frank Schmidt ist gerade in einem solchen Moment.Zehn Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz nach 25 Spieltagen, zwölf Spiele ohne Sieg – das sind keine Zahlen, aus denen man sich noch herausrechnen kann. Das ist Abstieg auf Raten, nüchtern betrachtet.
Und trotzdem reist der Trainer des Schlusslichts 1. FC Heidenheim nach Frankfurt und fordert von seiner Mannschaft Anstand. Selbstlosigkeit. Dass jeder brennt. Nicht für irgendwas – sondern auch dem Wettbewerb gegenüber. Dieser kleine Zusatz sagt viel. Schmidt will nicht nur, dass seine Spieler für sich kämpfen oder für den Verein. Er will, dass sie den Sport selbst respektieren. Das ist kein Motivationstext aus der Klamottenkiste. Das ist ein Appell an Haltung.
Was Schmidt dabei von anderen unterscheidet, ist seine Konsequenz im Umgang mit sich selbst. Er nimmt sich „nullkommanull" raus, wie er sagt. Die Mannschaft sei immer ein Spiegelbild des Trainers – er wiederholt das nicht zum ersten Mal, und genau das macht es glaubwürdig. Wer nach einem Scheitern so klar die eigene Verantwortung benennt, statt das Versagen zu verwalten oder wegzumoderieren, verdient Respekt. Aber Schmidt zieht auch eine andere Linie: Heidenheim sei nicht der „1. FC Frank Schmidt". Die Loyalität der Fans freut ihn, doch er schiebt den Personenkult beiseite. Das ist klug. Und es ist ehrlich.
Am schärfsten trifft er es mit einem einzigen Wort. „Eigentlich", sagt Schmidt, sei ein Mülleimer-Wort. Das habe er früh in der Schule gelernt. Und er hat recht. Wer sagt, Heidenheim mache es „eigentlich gut", beschreibt damit präzise das Problem: Man hat es eben nicht gemacht. Moral und Einsatz ersetzen keine Punkte. Gute Absichten verhindern keinen Abstieg. Die Bilanz nach 25 Spieltagen ist das, was sie ist – und kein Adjektiv macht sie besser.
Was bleibt, ist eine Frage, die über Heidenheim hinausgeht: Wie hält man Niveau, wenn das Ziel längst außer Reichweite gerückt ist? Schmidts Antwort darauf ist so alt wie der Sport selbst – und gerade deshalb so selten konsequent gelebt. Er will die Zitrone auspressen bis zum letzten Tropfen. Nicht weil es die Tabelle noch dreht. Sondern weil Anstand keine Bedingung kennt. Das ist kein schlechter Satz für einen Abstiegskampf. Eigentlich. Nein – wirklich.