Geisterspiele in Magdeburg wären bitter – aber längst überfällig

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert harte Maßnahmen nach massiver Gewalt.

Geisterspiele in Magdeburg wären bitter – aber längst überfällig
IMAGO/Christian Schroedter

Die Bilder aus Magdeburg sind verstörend. Gehwegplatten, die auf Polizisten fliegen. Gullydeckel als Wurfgeschosse. Bierfässer, die gezielt in Richtung Einsatzkräfte geschleudert werden. Was sich rund um das Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden abgespielt hat, ist kein Fußball-Krawall im üblichen Sinne. Es ist organisierte Gewalt.

Nahezu 70 Einsatzkräfte wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Ermittlungsbehörden prüfen in mehreren Fällen den Verdacht des versuchten Mordes. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Versuchter Mord. Bei einem Fußballspiel der zweiten Liga. In Deutschland. Im Jahr 2025.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt hat nun eine Forderung aufgestellt, die aufhorchen lässt: Geisterspiele in Magdeburg für mindestens ein Jahr. Eine drastische Maßnahme, keine Frage. Aber ist sie überzogen? Angesichts dessen, was passiert ist, muss man diese Frage ernsthaft mit Nein beantworten.

Der deutsche Fußball hat ein Gewaltproblem, das er seit Jahren kleinredet. Nach jedem Vorfall folgen die gleichen Rituale: Betroffenheitsbekundungen der Vereine, mahnende Worte der Verbände, ein paar Stadionverbote, dann kehrt Ruhe ein. Bis zum nächsten Mal. Dieses System der symbolischen Konsequenzen hat offensichtlich versagt.

Was in Magdeburg geschehen ist, markiert tatsächlich eine neue Eskalationsstufe. Hier ging es nicht um Pyrotechnik oder Rangeleien zwischen rivalisierenden Fangruppen. Hier wurden Polizisten systematisch und mit potenziell tödlichen Mitteln angegriffen. Die Koordination dieser Attacken deutet auf eine Planung hin, die weit über spontane Aggression hinausgeht.

DFB und DFL stehen vor einer Grundsatzentscheidung. Sie können wie gewohnt reagieren: Geldstrafen, vielleicht ein Teilausschluss der Fans für ein oder zwei Spiele. Oder sie können ein Zeichen setzen, das auch die letzten Verharmloser erreicht. Geisterspiele für ein Jahr wären ein solches Zeichen.

Ja, das würde auch die friedlichen Fans treffen, die große Mehrheit, die mit diesen Gewalttätern nichts zu tun haben will. Das ist bitter und ungerecht. Aber genau diese Ungerechtigkeit könnte den Druck erzeugen, den es braucht, damit sich innerhalb der Fanszenen etwas bewegt. Solange die Konsequenzen nur die Täter treffen, bleibt der Rest unbeteiligt. Erst wenn alle die Folgen spüren, entsteht echter Veränderungsdruck.

Der organisierte Fußball muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist: volle Stadien oder die Gesundheit derjenigen, die diese Stadien schützen. Die Antwort sollte nicht schwerfallen.