Füllkrugs Milan-Wechsel könnte für den DFB zum Glücksfall werden
Entwicklung beim AC Mailand wird als vorteilhaft für den Mittelstürmer und das DFB-Team gesehen.
Rudi Völler wählt seine Worte mit Bedacht. Wenn der DFB-Sportdirektor einen Vereinswechsel als "Geschenk" bezeichnet, dann steckt dahinter mehr als höfliche Diplomatie. Im Fall von Niclas Füllkrug offenbart diese Einschätzung eine Erleichterung, die man in Frankfurt lange nicht mehr gespürt haben dürfte. Der 32-Jährige hatte bei West Ham United eine schwierige Zeit hinter sich. Zu wenig Einsatzminuten, zu wenig Rhythmus, zu wenig Perspektive für einen Stürmer, der bei der Nationalmannschaft eine tragende Rolle spielen soll. Die AC Mailand bot einen Ausweg, und Füllkrug nutzte ihn. Sein erstes Tor im Trikot der Rossoneri beim 1:0 gegen US Lecce war mehr als ein statistischer Eintrag. Es war ein Statement. Völler kennt die Serie A aus eigener Erfahrung. Seine Jahre bei der AS Rom haben ihm ein Gespür für den italienischen Fußball vermittelt, das über oberflächliche Einschätzungen hinausgeht. Wenn er sagt, das Spiel der Mailänder passe "ideal" zu Füllkrug, dann ist das keine Gefälligkeit gegenüber einem Interviewpartner der Gazzetta dello Sport. Es ist eine fundierte Analyse. Füllkrug braucht ein System, das seine Stärken betont. Er ist kein Stürmer, der aus dem Nichts Tore erzwingt. Er braucht Flanken, er braucht Zuspiele in den Strafraum, er braucht Mitspieler, die seine Präsenz im Sechzehner nutzen. Milan kann das bieten. Die Frage ist, ob die Konstanz folgt. Für den DFB ist die Entwicklung von enormer Bedeutung. Die WM im Sommer rückt näher, und Bundestrainer Julian Nagelsmann benötigt einen Mittelstürmer, der im Rhythmus ist. Füllkrug hat bei der EM 2024 bewiesen, dass er auf höchstem Niveau treffen kann. Aber internationale Turniere verzeihen keine Anlaufschwierigkeiten. Wer dort funktionieren soll, muss vorher regelmäßig gespielt haben. Die Entscheidung gegen einen Wechsel zurück in die Bundesliga mag manche überrascht haben. Interesse war vorhanden, das bestätigt Völler selbst. Doch "Milan ist eben Milan" – dieser Satz fasst zusammen, warum Füllkrug den schwierigeren Weg gewählt hat. Die Serie A ist taktisch anspruchsvoll, die Erwartungen bei einem Klub dieser Größenordnung sind enorm. Aber genau das könnte der Reiz sein. Füllkrug ist kein Spieler, der sich versteckt. Er sucht die Herausforderung, auch mit 32 Jahren. Das verdient Respekt. Ob das Abenteuer in Mailand am Ende ein Erfolg wird, hängt von vielen Faktoren ab. Die ersten Signale stimmen. Völlers Optimismus ist nachvollziehbar. Und für die Nationalmannschaft könnte dieser Transfer tatsächlich zum Geschenk werden – wenn Füllkrug liefert.