Füllkrugs lautloses Scheitern

Zwölf Tage bis zum ersten DFB-Test. Niclas Füllkrug hat in 13 Spielen für AC Milan ein Tor erzielt. Das wird nicht reichen.

Füllkrugs lautloses Scheitern
IMAGO/LaPresse

Inter stolperte am Samstag 1:1 gegen Atalanta. Mailand hatte damit die Einladung auf dem Tisch: Sieg gegen Lazio, Gap auf fünf Punkte, Titelkampf wieder offen. Milan ließ die Chance liegen. Und Niclas Füllkrug, wieder von der Bank, wieder ohne Treffer, war einmal mehr Statist in einem Spiel, das er hätte prägen sollen. Es ist kein Drama. Es ist schlimmer: Es ist Stille.

Die Zahlen sind bekannt, aber sie haben sich immer noch nicht ins kollektive Bewusstsein gegraben. Seit Füllkrug Anfang Januar auf Leihbasis von West Ham United zur AC Milan wechselte, kam er in 13 Partien auf genau einen Treffer – ein Kopfball-Tor gegen Lecce, das immerhin über den Sieg entschied. Ansonsten: 749 Minuten, fast ausschließlich als Joker, einmal in der Startelf (Auswärtsspiel in Florenz). Trainer Massimiliano Allegri schätzt ihn offenbar als Werkzeug, nicht als Blaupause.

Das hätte man als Anlaufphase verbuchen können. Aber die Zeit für Kulanz ist abgelaufen.

Am 27. März spielt Deutschland in der Schweiz, drei Tage später gegen Ghana. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat seinen WM-Kader für Nordamerika noch nicht festgezurrt – und er hat unzweideutig kommuniziert, was er braucht: Spielpraxis. Und Tore.

Die Diagnose kommt von innen

„Rückblickend muss man sagen, der Transfer hat nicht funktioniert. Da müssen wir nichts schönreden", sagte Füllkrugs Berater Thorsten Wirth über das West-Ham-Kapitel. Der Wechsel nach Mailand sollte der Befreiungsschlag werden. Und tatsächlich: Verglichen mit einer Premier League, in der Füllkrug in 29 Spielen drei Tore erzielte, hat sich sein Rhythmus verbessert. Die Frage ist nur, ob „besser als West Ham" ein relevanter Maßstab für einen WM-Kader ist.

Der Verein hat die Antwort bereits still gegeben: Laut Calciomercato soll Milan die Kaufoption nicht ziehen. Füllkrug kehrt im Sommer zu West Ham zurück – oder er findet einen dritten Klub binnen zwölf Monate. In diesem Sommer, wenn die WM läuft.

Zwei Testspiele, dann entscheidet Nagelsmann. Füllkrug braucht nicht nur Minuten – er braucht Tore, die Bilder erzeugen. Den Kopfball gegen Lecce hat niemand mehr vor Augen. Das torlose Einwechseln gegen Lazio wird es auch nicht sein.

33 Jahre alt wird er im Februar gewesen sein, wenn der WM-Kader verkündet wird. Die Körner sind da. Die Klasse ist da. Aber Nagelsmann nominiert keine Biographien.