Fifa-Präsident verschenkt den wichtigsten Moment des Weltfußballs an Trump

Gianni Infantino plant tatsächlich eine neue Rolle für den US-Präsidenten beim WM-Finale am 19. Juli

Fifa-Präsident verschenkt den wichtigsten Moment des Weltfußballs an Trump
IMAGO/ABACAPRESS

Die FIFA macht Ernst mit ihrer Nähe zur Macht. Gianni Infantino hat in Davos verkündet, dass Donald Trump beim WM-Finale am 19. Juli den Pokal an den neuen Weltmeister überreichen wird. Der FIFA-Präsident formulierte es so, als gäbe es gar keine Alternative: Niemand dürfe die Trophäe berühren außer den Siegern und dem US-Präsidenten. Eine bemerkenswerte Protokolländerung, die den Fußball endgültig zum Instrument politischer Inszenierung degradiert.

Zur Erinnerung: In Katar 2022 überreichte noch Infantino selbst den Pokal an Lionel Messi. Das war die übliche Praxis. Jetzt wird diese Tradition für Trump gebrochen. Der Weltverband erfindet quasi eine neue Regel, die zufällig perfekt zum amtierenden US-Präsidenten passt. Infantino begründet das mit dem Gastgeberstatus der USA. Doch Mexiko und Kanada sind ebenfalls Co-Gastgeber dieser WM. Warum also nicht deren Staatsoberhäupter?

Die Antwort liegt in der Beziehung zwischen den beiden Männern. Infantino bezeichnete Trump bei der Podiumsdiskussion in Davos als Freund. Das ist keine diplomatische Floskel, sondern ein Bekenntnis. Der FIFA-Chef positioniert sich damit eindeutig an der Seite eines der polarisierendsten Politiker der Welt. Für einen Verband, der 211 Mitgliedsländer vertritt und sich gern als völkerverbindende Institution inszeniert, ist das ein fragwürdiges Signal.

Klub-WM als Warnung

Was bei der Klub-WM im Sommer 2025 passierte, sollte als Warnung dienen. Trump überreichte den Chelsea-Spielern im MetLife Stadium die Goldmedaillen und blieb dann einfach auf dem Podest stehen. Cole Palmer sprach hinterher von Irritation im Team. Der Moment gehörte den Spielern, aber Trump machte ihn zu seinem. Genau das droht nun im größten Spiel des Weltfußballs.

Ein WM-Finale ist der Höhepunkt einer vierjährigen Reise. Spieler arbeiten ihr ganzes Leben auf diesen Augenblick hin. Der Moment, in dem der Kapitän den Pokal in die Höhe stemmt, gehört dem Sport. Er gehört nicht der Politik, nicht einem Präsidenten und schon gar nicht einer Freundschaft zwischen zwei mächtigen Männern.

Infantino verkauft diese Entscheidung als Ehrung des Gastgeberlandes. In Wahrheit ist es eine Ehrung für Trump persönlich. Die FIFA unterwirft sich damit einer politischen Agenda und opfert ihre Unabhängigkeit auf dem Altar der Gefälligkeit. Das ist kein Protokoll, das ist Kalkül.

Der Fußball hat schon viele fragwürdige Allianzen erlebt. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der Infantino den wichtigsten Moment des Sports an einen politischen Verbündeten verschenkt, markiert einen neuen Tiefpunkt. Die FIFA sollte dem Spiel dienen, nicht der Macht.