Eintracht Frankfurt: Robin Koch ist Hütters Sündenbock
Der Trainer zählt seinen Kapitän öffentlich an. Doch das eigentliche Problem liegt in einem Kader ohne Erfahrung und ohne Führungsachse.
Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten verliert Eintracht Frankfurt mit 0:6 bei RB Leipzig. Trainer Adi Hütter nimmt Kapitän Robin Koch zur Halbzeit vom Platz und zählt ihn anschließend öffentlich an. Doch hinter Kochs Formkrise steckt ein grundsätzliches Problem.
„Ich habe Robin erlöst.“ Ein Satz, mit dem Hütter seinen Kapitän zum Gesicht des Frankfurter Debakels in Leipzig macht. Zwar spielt Koch seit Monaten unter seinen Möglichkeiten, doch in Leipzig hat die gesamte Mannschaft versagt. Trotzdem rückt der Trainer ausgerechnet ihn in den Mittelpunkt. Hat er Koch damit zum Sündenbock gemacht? „Man kann das so sehen“, sagt FAZ-Reporter Marc Heinrich im Fever Pit'ch Podcast.
Als Kapitän soll er der Mannschaft Sicherheit geben, doch die fehlt ihm inzwischen selbst. Der frühere Nationalspieler wirkt verunsichert, verliert Zweikämpfe und kann seine Abwehr kaum noch stabilisieren. „Robin Koch ist augenblicklich so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er den anderen in der Situation keine Hilfe sein kann“, sagt Heinrich. Hinzu kommt, dass auch seine Nebenleute gravierende Fehler machen. Koch kann ihnen keinen Halt geben – und findet selbst keinen in einer Defensive, die immer wieder auseinanderfällt.
Doch Koch ist nicht der Einzige, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Die Führungsspieler hätten erneut versagt, kritisierte Jonathan Burkardt nach dem Debakel. Für Heinrich liegt darin ein Kernproblem der Eintracht: „Es gibt nicht genug Führungsköpfe.“ Mit Rasmus Kristensen und Arthur Theate hat Frankfurt im Sommer wichtige Kräfte verloren, ohne deren Erfahrung und Präsenz ausreichend zu ersetzen. Mario Götze und Timothy Chandler besitzen zwar Autorität, stehen aber zu selten auf dem Platz, um dort Einfluss zu nehmen. Der Mannschaft fehlt eine funktionierende Führungsachse, die gerade nach Rückschlägen für Ordnung sorgt.
Ein klarer Vorwurf an Sportvorstand Markus Krösche, der die Kaderzusammenstellung verantwortet. „Ich weiß nach wie vor nicht richtig zu beurteilen, was er in dieser Sommertransferperiode dachte“, sagt Heinrich. Während Frankfurt bis zuletzt über weitere Offensivverstärkungen nachdachte, blieben die Schwachstellen in der Abwehr bestehen. Krösche hat mit seinen Transfers große Erfolge gefeiert und die Eintracht wirtschaftlich vorangebracht. Doch das Geschäftsmodell, regelmäßig Leistungsträger zu verkaufen und durch entwicklungsfähige Talente zu ersetzen, hat offenbar seinen Preis: Der Mannschaft fehlt inzwischen die Erfahrung, um schwierige Phasen zu überstehen.
Mit den Folgen dieser Kaderplanung muss Hütter jetzt zurechtkommen. Eigentlich sollte seine Rückkehr nach Frankfurt Ruhe und Stabilität bringen. Doch nach fünf Punkten aus fünf Spielen steht er schon am Freitag gegen den 1. FC Köln unter Zugzwang. Heinrich rechnet trotz der öffentlichen Kritik erneut mit Koch in der Startelf – weil überzeugende Alternativen fehlen. Das gilt auch für die anschließenden Aufgaben in Dortmund und im DFB-Pokal beim HSV. Hütter muss deshalb hoffen, dass ausgerechnet der Kapitän, den er in Leipzig öffentlich angezählt hat, ihm hilft, die Krise zu überwinden.
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Foto: Imago
Takeaways
- Eintracht Frankfurt verliert zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten mit 0:6 bei RB Leipzig.
- Adi Hütter nimmt Robin Koch zur Halbzeit vom Platz und zählt ihn mit dem Satz „Ich habe Robin erlöst“ öffentlich an.
- Koch spielt seit Monaten unter seinen Möglichkeiten, verliert Zweikämpfe und kann die Abwehr kaum noch stabilisieren.
- Jonathan Burkardt kritisiert nach dem Debakel, dass die Führungsspieler erneut versagt hätten.
- Mit Rasmus Kristensen und Arthur Theate hat Frankfurt im Sommer wichtige Kräfte verloren, ohne deren Erfahrung ausreichend zu ersetzen.
- Marc Heinrich sieht in der Kaderplanung von Sportvorstand Markus Krösche ein Kernproblem der Eintracht.
- Nach fünf Punkten aus fünf Spielen steht Hütter schon am Freitag gegen den 1. FC Köln unter Zugzwang.
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