Ehrenamt im Amateurfußball: Zeit für neue Strategien

Bei der Hartplatzhelden-Konferenz im Mai diskutiert unser Autor Gerd Thomas mit Gleichgesinnten, warum Vereine jetzt handeln müssen, um ehrenamtliches Engagement zukunftsfähig zu machen.

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Ehrenamt im Amateurfußball: Zeit für neue Strategien
Strategieentwicklung funktioniert nur in konstruktiver Atmosphäre. Foto: Gerd Thomas

Am Samstag begann für mich ein neues Leben. Denn einen Tag zuvor haben mein Kollege Werner und ich den Staffelstab an jüngere Leute weitergereicht. Wir haben nicht wieder für das Vorstandsamt kandidiert. Nach 23 Jahren als Trainer, Jugendleiter und Vorsitzender ist das ein tiefer Einschnitt. Gleichwohl sind wir froh, junge Menschen im Verein gefunden zu haben, die unsere Arbeit weiterführen werden. Das gelingt längst nicht allen langjährigen Vorständen.

Bestimmt machen die Jüngeren vieles ganz anders, was mich zu der Frage führt: „Wie sieht die Zukunft des Ehrenamts im Sport aus?“ Meine Kollegin Susanne Amar und ich stellen uns die immer wieder. Allerdings machen sich meisten Vereine darüber nur wenige oder gar keine Gedanken. Sie sollten das ändern.

Demokratie beginnt im Verein!

Bei der Amateurfußball-Konferenz Hartplatzhelden26, die am 22. Mai in der Robert Bosch Stiftung in Berlin stattfinden wird, steht das Engagement des Amateurfußballs im Fokus. In Zusammenarbeit mit „treffpunkt verein“ von der Philipp-Lahm-Stiftung werden wir eine Reihe von Best-Practice-Beispielen vorstellen. Der Titel der Konferenz lautet: „Demokratie beginnt im Verein!“

Auch die Workshops werden spannend. Der DFB stellt den neuen Masterplan Amateurfußball vor. Ich hatte das Privileg, an den beiden letzten Amateurfußball-Kongressen in Kassel und Frankfurt teilnehmen zu dürfen. Nicht alles hat meinen Beifall gefunden, aber es wurde auf jeden Fall leidenschaftlich über vieles diskutiert:

  • Wo müssen wir den Spielbetrieb überdenken?
  • Wie können wir den Mädchenfußball stärken?
  • Was müssen wir tun, um mehr Schiedsrichter zu gewinnen?
  • Wie kann Wissenstransfer unter den Vereinen gelingen?
  • Welche Maßnahmen stärken das Ehrenamt im Sport?

Ich hätte mir gewünscht, das Thema Vielfalt stärker zu diskutieren. Wenn in einigen Regionen mehr als fünfzig Prozent der Grundschüler eine familiäre Zuwanderungsgeschichte haben, sind Diversitäts-Strategien kein „nice to have“, sondern notwendig. Es gelingt zwar, Menschen mit Migrationshintergrund als Trainer oder Schiedsrichter zu gewinnen. Doch in den klassischen Entscheidungsgremien wie Vorständen fehlen sie meist – Frauen übrigens auch. Das wird der gesellschaftlichen Entwicklung nicht gerecht und sollte vom DFB und seinen Landesverbänden ernster genommen werden.

Ehrenamt braucht Vorbilder wie Philipp Lahm

Vielleicht wird das im Gespräch mit der Staatsministerin für Ehrenamt und Sport, die zur Konferenz kommen wird, angesprochen. Bestimmt erklärt Philipp Lahm ihr und uns, warum sich auch ein ehemaliger Weltmeister als Jugendtrainer engagiert. Er ist damit ein Vorbild, das wir so dringend brauchen. Denn das Ehrenamt muss aufgewertet werden.

Die Zahlen für das Engagement im Sport sind rückläufig – bei steigender Nachfrage für die Aufnahme in Vereinen, nicht zuletzt von Kindern. Viele Engagierte sind müde, möchten nicht mehr als Bittsteller bei der Politik auftreten, sondern als Teil der aktiven Zivilgesellschaft, die ihren Anteil an der Stärkung der Republik hat, wahrgenommen werden.

Gleichzeitig ist die politische Großwetterlage nicht so, dass Besserung in Sicht ist. Im Gegenteil: Die Regierung plant die Streichung vieler Förderungen und sozialer Projekte. Das wird auch Auswirkungen auf den Sport haben.

Also tun die großen Sportverbände gut daran, sich um Zukunftsstrategien für das Ehrenamt zu kümmern. Susanne und ich stellen in unseren Workshops immer wieder dieselben Muster fest:

  • Zu wenig Wertschätzung
  • Probleme in der Kommunikation
  • Fehlende Strategien für das Finden und Binden von Engagierten
  • Zu wenig Raum für Gedanken zur Vereinsentwicklung

Wir wollen bei der Hartplatzhelden-Konferenz in unserem Workshop auch darauf eingehen. Aber wir wollen nicht jammern und nur Probleme wälzen. „Wir wollen ins Tun kommen“, sagt Susanne so gern. Also werden wir den Herausforderungen aktiv begegnen und uns dazu austauschen.

Gute Dinge von anderen kopieren

Stets lautet mein Vorschlag an die Teilnehmenden in unseren Vereinen: Lieber Dinge von anderen gut kopieren als schlecht selbst erfinden. Denn es sind so viele Ideen da, so viele Erfahrungen in den Vereinen gemacht, so viele starke Projekte erfolgreich umgesetzt worden. Darüber wollen wir mit den Gästen und Aktiven sprechen. Meldet euch an, es wird spannend: www.hartplatzhelden.de


Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei und findet am 22. Mai ab 11 Uhr in den Räumen der Robert Bosch Stiftung (Französische Straße 32 in Berlin-Mitte) statt.