Dynamo Dresden braucht einen Plan gegen Gewalt – keine Betroffenheit
Zwei Krawallwochenenden in Folge, 214 identifizierte Gewalttäter – und der Sieg in Nürnberg droht, alles zu überdecken.
200 Leute verabreden sich in Eisfeld zu einer Massenschlägerei, die Polizei rückt mit 220 Beamten an, identifiziert 214 Beteiligte – und einen Tag später redet alle Welt über ein Eigentor in Nürnberg. Genau das ist das Problem.
Dynamo Dresden hat beim 1. FC Nürnberg 2:0 gewonnen, ein Eigentor von Henri Koudossou in der 56. Minute und Ben Bobziens Treffer in der 83. brachten drei Punkte im Abstiegskampf. 45.000 im ausverkauften Max-Morlock-Stadion, 10.000 davon aus Dresden. Sportlich ein befreiendes Wochenende für Thomas Stamms Mannschaft, die sich von Platz 16 auf Rang 11 geschoben hat. Doch wer nur auf die Tabelle schaut, übersieht, was sich daneben zusammenbraut.
Geschäftsführer Sören Gonther sprach vor dem Anpfiff von einer Partie, die „sportlich elementar wichtig" sei. Er sprach auch über die Krawalle der Vorwoche gegen Hertha BSC: „Das war schwierig für uns. Wir waren geschockt. Diese Woche gab es viele Gespräche. Wir machen das, was wir tun können."
Dann erfuhr er von der verhinderten Schlägerei in der Nacht zuvor. Sein Kommentar: „sprachlos." Zwei Krawallwochenenden in Folge. Die Gespräche einer ganzen Woche – offenkundig wirkungslos.
Gonther verdient dabei durchaus Kredit für seine Offenheit. Er stellt sich hin, benennt das Problem, zeigt sich betroffen. Aber Betroffenheit ist kein Konzept. Wer „viele Gespräche" führt und sieben Tage später 214 identifizierte Gewalttäter in der Bilanz stehen hat, muss sich eine unbequeme Wahrheit eingestehen: Der Verein erreicht die nicht, die sich in Thüringen zum Prügeln verabreden. Diese Leute hören keine Appelle. Sie organisieren sich parallel zum Spielbetrieb, losgelöst von allem, was im Stadion passiert.
Das Spiel in Nürnberg war sportlich wichtig, keine Frage. Aber der Sieg darf nicht das Beruhigungsmittel sein, das die nächste Eskalation vorbereitet. Dynamo braucht keinen weiteren Geschäftsführer, der „sprachlos" ist – Dynamo braucht einen Plan, der über Gespräche hinausgeht.