Die steile Kramaric-These zu TSG Hoffenheim ist auch ein Stück Selbstvermarktung
Blick Richtung Champions League: Torjäger Andrej Kramaric sieht seinen Verein als zweitbeste Mannschaft der Bundesliga
Andrej Kramaric hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Nach Bayern München zeige Hoffenheim den besten Fußball der Liga, sagte der Kroate bei Sky. Eine steile These, die man erst einmal sacken lassen muss. Doch wer die vergangenen Wochen im Kraichgau verfolgt hat, kann dem 34-Jährigen zumindest nicht vorwerfen, aus dem Nichts zu fabulieren.
Acht Siege in elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Nach dem Fast-Abstieg der Vorsaison und einem holprigen Saisonstart hat Trainer Christian Ilzer eine Mannschaft geformt, die plötzlich auf Platz drei steht und Richtung Champions League schielt. Und das, obwohl noch ein Nachholspiel aussteht. Das ist bemerkenswert, keine Frage. Aber ist es auch der zweitbeste Fußball der Liga?
Das Bundesliga-Barometer beantwortet die Frage mit einer repräsentativen Umfrage: Jeder vierte von über 6000 befragten Fans meint, dass Hoffenheim mit RB Leipzig den attraktivsten Fußball nach Bayern München spielt. Nun weiß man nicht so genau, wie viele Fans bei der TSG genau hinschauen. So viele Anhänger haben die Kraischgauer ja schon aus geografischen Gründen nicht.
Aber die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Hoffenheim spielt derzeit effektiv, mutig und mit einer Offensive, die Gegner vor Probleme stellt. Kramaric selbst ist mit sechs Treffern gemeinsam mit Tim Lemperle und Fisnik Asllani bester Torschütze der TSG. Beim 5:1 gegen Gladbach schnürte er einen Dreierpack. Der Mann liefert also, bevor er redet.
Warum man das Hoffenheim-Hoch relativieren muss
Trotzdem wirkt seine Einschätzung wie ein Stück Selbstvermarktung in eigener Sache. Kramarics Vertrag läuft im Sommer aus, und er hat bereits durchblicken lassen, dass seine Zukunft von den Visionen des Vereins abhängt. Wer sich als Teil der zweitbesten Mannschaft der Liga präsentiert, erhöht seinen Marktwert. Das ist legitim, aber man sollte es einordnen.
Die Konkurrenz um die Champions-League-Plätze ist in dieser Saison brutal. Leverkusen, Dortmund, Frankfurt, Leipzig – sie alle haben Argumente, die mindestens genauso gewichtig sind wie Hoffenheims Siegesserie. Eine starke Phase macht noch keine Spitzenmannschaft. Das weiß auch Kramaric, der schon 2018/19 mit der TSG in der Königsklasse spielte und erlebt hat, wie schnell sich Verhältnisse ändern können.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Hoffenheim derzeit über sich hinauswächst. Die Mannschaft hat Selbstvertrauen getankt, die Hierarchie stimmt, und mit Kramaric verfügt sie über einen Spieler, der in seinen besten Momenten Bundesliga-Spitzenklasse verkörpert. 132 Bundesligatore für TSG Hoffenheim sind kein Zufall. Er ist zur Vereinslegende aufgestiegen.
Ob das für die Champions League reicht, werden die kommenden Wochen zeigen. Frankfurt auswärts, dann Bremen – zwei Prüfungen, die offenbaren werden, ob Kramarics Selbsteinschätzung Substanz hat oder doch nur das Pfeifen im Walde war. Eines steht fest: Hoffenheim hat sich das Recht erarbeitet, groß zu denken. Ob es auch groß genug ist, muss sich erst noch beweisen.