Die Bundesliga wagt in Abu Dhabi ein Experiment mit kalkuliertem Risiko

Die DFL expandiert mit einer eigenen Akademie in den Vereinigten Arabischen Emiraten - und ungewissem Ausgang.

Die Bundesliga wagt in Abu Dhabi ein Experiment mit kalkuliertem Risiko
IMAGO/SNA

Die DFL setzt ein Zeichen, das man nicht übersehen kann. Während Bundeskanzler Friedrich Merz in Abu Dhabi Staatsgeschäfte betreibt, nutzt die Deutsche Fußball Liga die Bühne für einen strategischen Schachzug: Eine Bundesliga-Akademie in den Vereinigten Arabischen Emiraten soll entstehen. Das ist mehr als eine Fußnote im Reiseprotokoll.

Die langfristige Kooperation mit der UAE Pro League zeigt, wohin die Reise geht. Der deutsche Profifußball sucht seine Zukunft nicht mehr nur in den traditionellen Märkten Europas, sondern dort, wo Geld, Ambitionen und Infrastruktur aufeinandertreffen. Die Golfregion ist längst kein exotisches Terrain mehr für europäische Fußballorganisationen. Sie ist ein Schlachtfeld um Einfluss, Reichweite und wirtschaftliche Potenziale.

Was die DFL als Wissensaustausch in Technologie und Medienproduktion verkauft, ist im Kern ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Die Bundesliga bringt ihr Know-how mit, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Die Emirate bieten Zugang zu einem Markt, der nach erstklassigem Fußball-Content hungert. Beide Seiten wissen genau, was sie wollen. Die Frage ist nur, ob die Balance stimmt.

Talententwicklung als erklärtes Ziel klingt zunächst nach sportlicher Substanz. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Doppeldeutigkeit. Geht es um die Förderung junger Spieler? Um den Export deutscher Trainingsmethoden? Oder um die Erschließung neuer Rekrutierungsfelder für die Bundesliga? Vermutlich um alles gleichzeitig. Die DFL wäre schlecht beraten, nur an Altruismus zu denken.

Die Kritiker werden nicht lange auf sich warten lassen. Sportswashing, werden sie rufen. Ausverkauf deutscher Fußballwerte an autoritäre Regime. Diese Einwände sind nicht unberechtigt, aber sie greifen zu kurz. Der internationale Fußball hat sich längst von moralischen Reinheitsgeboten verabschiedet. Wer heute noch glaubt, der Sport könne sich von geopolitischen Realitäten abkoppeln, hat die letzten zwanzig Jahre verschlafen.

Entscheidend wird sein, was die DFL aus dieser Partnerschaft macht. Bleibt es bei Hochglanzbroschüren und Fototermin-Diplomatie? Oder entsteht tatsächlich ein Mehrwert für den deutschen Fußball? Die Bundesliga braucht internationale Strahlkraft, um im Wettbewerb mit der Premier League nicht vollends abgehängt zu werden. Abu Dhabi könnte ein Baustein sein.

Die Akademie ist ein Experiment. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die DFL geht ein kalkuliertes Risiko ein und positioniert sich dort, wo andere längst aktiv sind. Ob das am Ende klug war, wird sich erst in Jahren zeigen. Bis dahin bleibt die Erkenntnis: Der deutsche Fußball denkt größer, als es ihm viele zugetraut hätten.