Die 3. Liga liefert sensationelle Zahlen und kämpft trotzdem um ihre Identität
Das Unterhaus des deutschen Profifußballs erlebt Rekordjahr mit steigenden Zuschauerzahlen und Erlösen.
Die 3. Liga hat ein Problem, von dem andere Ligen träumen würden: Sie ist zu erfolgreich für ihr eigenes Image. 4,4 Millionen Zuschauer strömten in dieser Saison in die Stadien, mehr als 11.500 im Schnitt pro Spiel. Das ist Weltrekord für eine dritte Spielklasse. Und trotzdem wird diese Liga behandelt wie ein notwendiges Übel zwischen Zweitklassigkeit und Regionalliga-Chaos.
Die Zahlen, die DFB-Vizepräsident Peter Frymuth vor der Veröffentlichung des Saisonreports präsentiert, erzählen eine andere Geschichte. Die 17 Drittligisten – ohne die Zweitvertretungen gerechnet – erlösten erstmals mehr als 300 Millionen Euro. Zwölf Vereine weisen ein positives Eigenkapital aus, vor zwei Jahren waren es noch acht. Das ist keine Momentaufnahme, das ist ein Trend.
Natürlich profitierte die Liga von Zugpferden wie Dynamo Dresden und Arminia Bielefeld, die beide den Aufstieg schafften und ihre Stadien füllten. Aber wer die Entwicklung allein auf zwei Traditionsklubs reduziert, macht es sich zu einfach. Die 3. Liga hat sich eine Identität erarbeitet, die über einzelne Vereine hinausgeht. Die sportliche Unberechenbarkeit, die Frymuth betont, ist kein Marketingspruch, sondern Realität. Wer hier absteigt oder aufsteigt, entscheidet sich oft erst am letzten Spieltag.
Was die Zahlen zur 3. Liga auch zeigen
Was die Zahlen aber auch zeigen: Die Schere zwischen den Klubs bleibt ein Thema. Wenn zwölf von siebzehn Vereinen positives Eigenkapital haben, bedeutet das im Umkehrschluss, dass fünf Klubs wirtschaftlich auf dünnem Eis stehen. Die 3. Liga ist keine homogene Erfolgsgeschichte, sie ist ein Wettbewerb zwischen Vereinen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen.
Der DFB tut gut daran, diese Liga nicht als Durchgangsstation zu betrachten. Sie ist längst mehr als das. Hier werden Spieler wie Nick Woltemade oder Said El Mala geformt, die später bei Newcastle United oder dem 1. FC Köln landen. Die 3. Liga ist eine Ausbildungsliga mit Erstliga-Atmosphäre – zumindest an guten Tagen.
Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt nicht darin, die Rekordzahlen zu halten. Sie liegt darin, die wirtschaftliche Stabilität auf mehr Schultern zu verteilen. Wenn die Hälfte der Liga von zwei Aufsteigern abhängt, ist das keine nachhaltige Entwicklung, sondern ein Glücksfall. Die 3. Liga braucht mehr Klubs, die aus eigener Kraft Zuschauer ziehen können.
Frymuth sagt, die Liga mache Appetit auf die Zukunft. Das stimmt. Aber Appetit allein macht nicht satt. Die 3. Liga muss beweisen, dass sie auch ohne Dresden und Bielefeld funktioniert. Die nächste Saison wird zeigen, ob der Boom trägt oder ob er an einzelnen Namen hängt.