DFB-Prozess: Freispruch in Sicht, doch Fragen bleiben
Der Verband erhebt schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft im laufenden Prozess.
Der Deutsche Fußball-Bund geht in die Offensive. Nicht auf dem Rasen, sondern vor Gericht. Und die Worte, die DFB-Kommunikationsdirektor Steffen Simon wählt, sind bemerkenswert scharf: Die Staatsanwaltschaft und Oberfinanzdirektion hätten das Gebot einer fairen und rechtsstaatlichen Verfahrensführung missachtet.
Das ist keine diplomatische Kritik mehr, das ist ein Frontalangriff auf die Ermittlungsbehörden.
Was den DFB so in Rage bringt, hat seinen Ursprung in den jüngsten Entwicklungen im Prozess um die sogenannte Bandenwerbung-Affäre. Die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler sprach von einem Störgefühl, mit welchen Mitteln Einfluss auf Zeugen genommen worden sei.
Ein Zeuge soll laut Frankfurter Rundschau erklärt haben, dass von der Staatsanwaltschaft Druck auf die Betriebsprüfer ausgeübt worden sei. Die Staatsanwaltschaft dementiert die Vorwürfe und verweist darauf, dass das Beweisprogramm noch nicht abgeschlossen sei.
Doch die Richterin ging noch weiter. Es drehe sich einem der Magen um, wie hier ermittelt wurde, wird sie zitiert. Es sei an der Zeit, diesem Schauspiel ein Ende zu setzen. Wenn eine Vorsitzende Richterin solche Worte wählt, dann ist das mehr als ein Fingerzeig. Der ehemalige DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge steht offenbar vor einem Freispruch.
Für den DFB geht es um mehr als nur um Rehabilitation. Dem Verband wurde wegen der Affäre die Gemeinnützigkeit für die Jahre 2014 und 2015 aberkannt. Je nach Ausgang des Verfahrens könnte diese Entscheidung rückgängig gemacht werden. Es geht also auch um Geld, um viel Geld.
Parallelen zum Sommermärchen-Prozess
Die Parallelen zum Sommermärchen-Prozess sind unübersehbar. Auch damals wurde der DFB als Nebenbeteiligter geführt, auch damals verhandelte die 2. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt am Main. Und auch damals endete das Verfahren ohne Verurteilung der Hauptangeklagten.
Man muss kein Freund des DFB sein, um die Fragen zu stellen, die sich hier aufdrängen: Wie konnte es zu Ermittlungen kommen, die eine Richterin derart scharf kritisiert? Welche Dynamiken haben dazu geführt, dass offenbar Druck auf Zeugen ausgeübt wurde? Der DFB fordert weitere Aufarbeitung. Das ist sein gutes Recht.
Gleichzeitig sollte der Verband vorsichtig sein mit allzu triumphalen Tönen. Ein möglicher Freispruch bedeutet nicht automatisch, dass alles sauber gelaufen ist. Er bedeutet zunächst nur, dass die Beweislage für eine Verurteilung nicht ausreicht. Die Frage, wie der DFB in diese Situation geraten konnte, bleibt bestehen.
Was bleibt, ist ein beschädigtes Vertrauen. In die Ermittlungsbehörden, aber auch der größte Sportverband des Landes muss daran arbeiten, dass man ihn nicht mehr unter Generalverdacht stellt. Beide Seiten haben Erklärungsbedarf. Der Prozess mag bald enden. Die Aufarbeitung geht weiter.