Deutschland gegen Ghana: WM 2026 Vorbereitung mit offenen Baustellen in Stuttgart
Im Testspiel Deutschland gegen Ghana testet Nagelsmann vor der WM 2026 Personal und System. Kader, Aufstellung und die drängendsten Fragen im Überblick.
Noch am Freitagabend in Basel, als die Schweizer nach dem 3:3-Ausgleich in der 80. Minute das Stadion zum Beben brachten, hätte kaum jemand auf einen deutschen Sieg gewettet. Dann schlug Florian Wirtz zu – zum vierten Mal an diesem Abend beteiligt, diesmal als Vorlagengeber zum 4:3. Drei Tage später steht die nächste Aufgabe der Deutschland Ghana WM 2026 Vorbereitung an: Am Montagabend um 20.45 Uhr empfängt die DFB-Elf in der ausverkauften MHP-Arena in Stuttgart die ghanaische Nationalmannschaft zum zweiten Testspiel binnen vier Tagen.
Es ist die letzte Länderspielphase vor der WM-Nominierung, und Julian Nagelsmann nutzt sie wie ein Labor. Der Bundestrainer testet Personal, justiert sein System, verteilt Einsatzminuten – und muss dabei Antworten auf Fragen finden, die sich zweieinhalb Monate vor Turnierbeginn mit zunehmender Dringlichkeit stellen.
Deutschland gegen Ghana: Was steckt hinter dem WM-Testspiel?
Ghana war nicht der ursprüngliche Plan. Der DFB hatte die Elfenbeinküste als Testspielgegner vorgesehen, doch die WM-Auslosung am 5. Dezember machte einen Strich durch die Rechnung: Die Ivorer landeten in Gruppe E – der deutschen Gruppe. Ein Testspiel gegen einen Gruppengegner zweieinhalb Monate vor Turnierbeginn wollte keine der beiden Seiten.
Also musste Ersatz her. Ghanas Trainer Otto Addo, der in Sachen Doppelpass zwischen afrikanischem und deutschem Fußball so vernetzt ist wie wenige, schilderte die Entstehung: „Als dann feststand, dass Deutschland gegen die Elfenbeinküste spielen wird, wurde ich von Julian Nagelsmann, Rudi Völler und Andreas Rettig gefragt, ob wir an einem Testspiel Interesse hätten." Ghana sagte zu – und liefert genau das Profil, das Nagelsmann sucht.
Denn die Black Stars spielen ähnlich wie die Ivorer: athletisch, direkt, schnell im Umschalten. Für eine deutsche Mannschaft, die sich auf einen afrikanischen Gruppengegner einstellen muss, ist das der passendere Sparringspartner als jede europäische Mittelmacht. Die Partie simuliert Spielsituationen, die bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko über Weiterkommen oder Scheitern entscheiden können.
Historisch ist die Bilanz überschaubar. Drei Duelle gab es bisher: 1993 in Bochum ein 6:1 für Deutschland, bei der WM 2010 in Südafrika ein 1:0, bei der WM 2014 in Brasilien ein 2:2 – Miroslav Kloses Treffer zum Endstand ist bis heute eine der ikonischen Szenen jenes Turniers. Das vierte Aufeinandertreffen findet nun in Stuttgart statt, vor 54.812 Zuschauern in einer ausverkauften Arena.
Warum ist dieses Länderspiel mehr als nur eine Pflichtübung?
Das 4:3 gegen die Schweiz hat zweierlei gezeigt. Erstens: Die Offensive der DFB-Elf funktioniert. Florian Wirtz erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Er selbst nannte es „sicher mein bestes Länderspiel, vier Scorerpunkte hatte ich noch nie." Nagelsmann sprach von „fünf, sechs weiteren großen Chancen" neben den vier Treffern. Zweitens: Die Defensive hat erhebliche Schwächen. Drei Gegentore, davon keines unvermeidbar. Nagelsmann bilanzierte gegenüber der ARD: „Die Gegentore waren allerdings vermeidbar, da haben wir unnötige Ballverluste, das darf nicht zur Regel werden."
Das Länderspiel gegen Ghana ist deshalb kein Testspiel im landläufigen Sinn. Es ist eine Reparaturwerkstatt für die Hintermannschaft – und gleichzeitig eine Bühne für Spieler, die um die letzten Kaderplätze kämpfen. Nagelsmann hat das vor der Nominierung klargestellt: „Dieser Kader wird dem bei der WM ähneln, aber er ist noch keine WM-Nominierung."
Die Basler Elf soll, so der Plan, mit zwei bis höchstens drei Änderungen auch die Stammformation für das Turnier sein. Die prominentesten Ergänzungen stehen fest: Jamal Musiala und Aleksandar Pavlović, beide derzeit angeschlagen geschont, sollen im Sommer die Mannschaft vervollständigen. Doch gerade weil Musiala und Pavlović fehlen, öffnet sich für andere ein Fenster.
Deniz Undav etwa, erstmals seit Juni 2025 wieder nominiert, hat aus den vergangenen zehn Pflichtspielen elf Torbeteiligungen gesammelt. Nagelsmann garantierte ihm „Einsatzminuten, weil er es sich verdient hat." In der offenen Frage nach der Alternative für Kai Havertz in der Sturmspitze könnte der Stuttgarter in seinem eigenen Stadion ein gewichtiges Argument liefern. Tim Kleindienst ist seit langem verletzt, Niclas Füllkrug auch nach seinem Wechsel von West Ham zu AC Mailand außer Form.
Wirtz forderte nach dem Schweiz-Spiel: „Wir sollten daran arbeiten, dass wir alle zusammen als Mannschaft besser verteidigen, bei der Weltmeisterschaft wird es wichtig sein, dass wir kompakt stehen." Ghana mit seiner athletischen, umschaltstarken Spielweise wird genau diese Kompaktheit prüfen.
Kader, System, Nübel-Debatte: Welche Baustellen muss Nagelsmann lösen?
Drei Großbaustellen dominieren die Vorbereitung. Die drängendste: das Mittelfeldzentrum. Nagelsmann nennt die Sechserposition das „Herzstück einer jeden Mannschaft" – und genau dort herrscht personelle Ungewissheit. Felix Nmecha hat sich eine Außenbandverletzung im Knie zugezogen, ob er zur WM in Topform zurückkehrt, ist offen. Pavlović laboriert an Hüftproblemen, die Ausfalldauer ist unklar. „Ärgerlich" seien ihre Ausfälle, sagte Nagelsmann. Fünf Kandidaten – Nmecha, Pavlović, Leon Goretzka, Pascal Groß und Anton Stach – konkurrieren um zwei Positionen auf der Doppelsechs. Gegen die Schweiz durfte Angelo Stiller, für Pavlović nachnominiert, neben Goretzka ran und löste die Aufgabe solide.
Die zweite Baustelle betrifft das Tor. Alexander Nübel wird gegen Ghana den Platz zwischen den Pfosten einnehmen. Nagelsmann betonte, das sei „eine Belohnung und kein Casting." Die Rangfolge bleibt: Oliver Baumann ist die Nummer eins, Nübel der erste Vertreter. Nach dem Rücktritt von Manuel Neuer und der Verletzung von Marc-André ter Stegen hat sich diese Hierarchie in den vergangenen Monaten gefestigt. Nübel, der bislang zwei A-Länderspiele absolvierte, freut sich auf den Einsatz in seinem Vereinsstadion: „Das ist ja quasi mein Wohnzimmer. Ich kann es kaum erwarten, zu spielen." Seine Situation ist dennoch komplex – der VfB-Schlussmann ist bis Sommer 2026 vom FC Bayern München ausgeliehen, sein Vertrag dort läuft noch, die Zukunft danach ist ungewiss.
Die dritte Baustelle ist taktischer Natur. Nagelsmanns System wandelt sich je nach Spielphase. Im Ballbesitz verschiebt sich das defensive 4-2-3-1 zu einer flexiblen 3-2-3-2- oder 3-4-1-Staffelung: Kimmich und Goretzka rücken jeweils etwa zehn Meter nach vorne, um Überzahlsituationen im Mittelfeld zu schaffen. An der Viererkette mit Kapitän Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck und David Raum will Nagelsmann trotz der defensiven Wackler nicht rütteln. Weil Musiala fehlte, übernahm Serge Gnabry gegen die Schweiz die Zehnerrolle, während Leroy Sané über die rechte Seite agierte. Ob diese Besetzung auch gegen Ghana Bestand hat oder ob Nagelsmann weitere Optionen ausprobiert, gehört zu den offenen Fragen des Abends.
Im DFB-Kader für die März-Testspiele stehen 26 Spieler. Neben den etablierten Kräften hat Nagelsmann mit Lennart Karl und Torwart Jonas Urbig – beide vom FC Bayern – erstmals zwei Youngster in die A-Nationalmannschaft berufen. Urbig musste allerdings verletzt abreisen, für ihn rückte Finn Dahmen vom FC Augsburg nach. Chris Führich ersetzt den am Knie verletzten Nmecha. Die Botschaft: „Uns war es wichtig, dass der Kern bestehen bleibt und sich weiter finden kann", sagte Nagelsmann. „Daneben möchten wir uns Spieler, die wir noch nicht so gut kennen, in diesem Gefüge anschauen."
Wie sieht der Weg der DFB-Elf zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko aus?
Die Fußball-WM 2026 steht im Sommer an, und das Testspiel gegen Ghana schließt die letzte reguläre Länderspielperiode vor der endgültigen Kadernominierung ab. Nagelsmann hat den Rahmen umrissen: Der März-Kader ähnelt dem WM-Aufgebot, ist aber noch keine finale Festlegung. Spieler, die diesmal nicht dabei sind, haben weiterhin eine Chance.
Deutschland trifft in Gruppe E bei der WM unter anderem auf die Elfenbeinküste – genau jener Gegner, den Ghana in diesem Testspiel simulieren soll. Die Vorbereitung folgt einer klaren Logik: Kernmannschaft stabilisieren, taktische Varianten einüben, Konkurrenzkämpfe auf den offenen Positionen entscheiden. Die Erkenntnisse aus den beiden März-Testspielen gegen die Schweiz und Ghana fließen direkt in die Turnierplanung ein.
Was hat das Schweiz-Spiel gebracht? Offensiv eine Demonstration der Möglichkeiten, defensiv eine Warnung. Sollte die Hintermannschaft gegen Ghanas schnelle Umschaltsituationen erneut wackeln, wächst der Handlungsdruck für Nagelsmann in der Innenverteidigung. Malick Thiaw und Waldemar Anton stehen als Alternativen im Kader, Josha Vagnoman und Nathaniel Brown bieten Flexibilität auf den Außenverteidigerpositionen.
Der Stürmerposten hinter Havertz bleibt die prominenteste offene Personalfrage. Undav hat die beste Ausgangslage, muss aber gegen Ghana auf dem Platz liefern. Die Sechser-Frage wird sich möglicherweise erst nach der Rückkehr von Pavlović und Nmecha beantworten lassen – sofern beide rechtzeitig fit werden.
Für Nagelsmann geht es an diesem Montagabend in Stuttgart nicht um das Ergebnis auf der Anzeigetafel. Es geht um Antworten. Welche Sechser-Kombination hält gegen physisch starke Gegner? Wie stabil steht die Abwehrkette, wenn der Gegner schnell umschaltet? Wer drängt sich für die letzten offenen Kaderplätze auf? Die Deutschland Ghana WM 2026 Vorbereitung ist ein Prozess, der in der ausverkauften MHP-Arena seinen vorerst letzten Prüfstein findet – bevor aus Testspielen ernst wird.
Häufige Fragen
Wann und wo findet Deutschland gegen Ghana statt und wo wird das Spiel übertragen?
Das Länderspiel Deutschland gegen Ghana findet am Montag, 30. März 2026, um 20.45 Uhr in der MHP-Arena in Stuttgart statt. Die ARD überträgt live im Free-TV und per Stream in der ARD-Mediathek. Die Vorberichterstattung beginnt um 20.15 Uhr mit Moderatorin Esther Sedlaczek und Experte Bastian Schweinsteiger, Kommentator ist Philipp Sohmer.
Welche Spieler stehen im aktuellen DFB-Kader für die WM-Testspiele?
Julian Nagelsmann hat 26 Spieler nominiert. Im Tor stehen Oliver Baumann, Alexander Nübel und der für den verletzten Jonas Urbig nachnominierte Finn Dahmen. Jamal Musiala wird geschont, Angelo Stiller und Chris Führich rücken für die angeschlagenen Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha nach. Erstmals dabei ist Bayern-Youngster Lennart Karl.
Wie ist der Stand der deutschen WM-2026-Vorbereitung nach dem Testspiel gegen Ghana?
Die März-Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana bilden die letzte Testphase vor der WM-Kadernominierung. Offensiv hat die DFB-Elf gegen die Schweiz überzeugt, defensiv bestehen Baustellen. Offen sind vor allem die Besetzung der Doppelsechs und die Sturmposition hinter Kai Havertz – Fragen, die Nagelsmann mit den Erkenntnissen aus dem Ghana-Spiel beantworten will.