Der Fall Tresoldi beim DFB: Ein bisschen deutsch geht nicht

Deutschland oder doch Italien? Von einem 22-jährigen Jungprofi darf man erwarten, dass er sich über seine Gefühlswelt im Klaren ist und weiß, wo er sich hingezogen fühlt.

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Foto : Nicolo TRESOLDI (GER) Fussball U-21 Länderspiel Deutschland - Nordirland EM Qualifikation am Fr. 27.03.2026 *** Photo Nicolo TRESOLDI GER Soccer U 21 International match Germany North
Foto: IMAGO/Claus Bergmann

Gestern Nachmittag habe ich mich furchtbar über Nicolò Tresoldi aufgeregt. Vermutlich kennt kaum ein Stammleser von Fever Pit'ch den Namen, darum kurz die Erklärung: Er ist Torjäger beim FC Brügge und spielt in der deutschen Junioren-Auswahl "U21". Wenn seine Leistungen konstant bleiben, darf er nächstes Jahr zur U21-Europameisterschaft mitfahren - mit dem DFB.

Beide Informationen sind wichtig: "deutsch" und "DFB". Denn derselbe Nicolò Tresoldi teilte der Öffentlichkeit gestern seine Zweifel mit, ob er seine Karriere in der deutschen Nationalelf fortsetzen will. Seine Entscheidung stünde "50:50", dass er nicht doch auf den letzten Drücker für Italien auflaufen mag. Die Entscheidungsfindung soll im Sommer enden - nach der EM 2027.

Dass ein junger Mann in dieser globalisierten Welt über zwei Staatsbürgerschaften verfügt, ist das eine und darf uns nicht interessieren. Dass er aber die Farben einer Nation, für die er spielen soll, austauschen kann wie Vereinsfarben, ärgert mich sehr. Solange für Deutschland in der Jugend spielen, bis die Avancen aus Italien Früchte tragen, oder umgekehrt - das kann nicht der Sinn der Sache sein.

Entweder spürt er die Verbindung zu dem einen Land - oder nicht. Von einem 22-Jährigen kann man schon erwarten, dass er sich über seine Gefühlswelt im Klaren ist und weiß, wo er sich hingezogen fühlt. Seine Hinhaltetaktik, um das Beste aus zwei Welten herauszuholen, zuerst EM und dann mal gucken, und gegeneinander abzuwägen, konterkariert den Grundgedanken jeder Nationalmannschaft.

Ich würde sogar behaupten wollen: Die Nationenwahl verkommt damit zu einem Step auf der Karriereleiter. Nicolò Tresoldi will sehen, wie groß seine Chancen auf die A-Mannschaft bei Jürgen Klopp sind, und notfalls anderswo sein Glück versuchen. Die Statuten erlauben ihm das egoistische Denken. Vielleicht kann man ihm nicht mal einen Vorwurf machen, wenn's ihm ermöglicht wird.

Das ist genau mein Punkt: Dann müssen entweder die Verbandsfunktionäre das Nationen-Hopping unterbinden oder der DFB eine Ansage machen, dass man mit Spielern ohne konkurrenzlosem Beziehungsverhältnis zum Land nicht plant. Das mag im ersten Moment drastisch klingen. Aber die Erwartung an Nationalspieler ist ja nicht gering: Sie sollen unsere Repräsentanten sein, unsere Identifikation.