Der Fall Nübelmann: Torwartdiskussion bis zur letzten Sekunde
Wer soll bei der WM die deutsche Nummer eins sein? Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über einen sich zuspitzenden Zweikampf
Wir sind in einer Phase der WM-Vorbereitung, in der jede Parade von Oliver Baumann und Alexander Nübel turnierrelevant wirkt. Am Samstag wurde das besonders deutlich, als die beiden Torhüter im Bundesliga-Spiel Hoffenheim gegen Stuttgart (3:3) direkt aufeinandertrafen und Baumann bei allen Gegentoren keine gute Figur machte, während Nübel glänzte.
Natürlich dachte während des Spiels auch ich, der sich eigentlich längst mit Senior Baumann – bei Turnierbeginn ist er 36 Jahre alt – angefreundet hatte: "Und DER soll in USA, Kanada und Mexiko unser Torwart sein?" Weitere Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der "Sportinformationsdienst" schrieb:
VfB-Torwart gewinnt das "WM-Duell".
Sport1 fragte:
Kampf ums WM-Tor neu eröffnet?
Und sportschau.de hatte schon eine Antwort: Nübel liege in allen Statistiken (Paradenquote, Gegentore, Zu-Null-Spiele) vorn, Baumann sei trotzdem der richtige Mann.
Hm. Das ist ungefähr so konsequent, als würde ein Polizist sagen: Sie haben zwar 0,9 Promille, aber fahren sie ruhig weiter.

Folgt man den Zahlen, müsste übrigens auch Gladbachs Nicolas Moritz im Rennen auftauchen. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass wir noch beim Aufwärmen gegen Curaçao darüber diskutieren werden, wer die Nummer eins bei der WM sein soll. Ein Machtwort vom Bundestrainer wäre also willkommen. Ob Julian Nagelsmann das spricht? Oder denkt er gerade: Was reden die alle? Baumann ist doch gesetzt!
Die Diskussion ist aber da und ungewöhnlich, ich kann mich an keine ähnliche Konstellation so kurz vor einer WM erinnern. Halbnah ran kommt 2010, damals brach sich René Adler Ende April die Rippen, Neuer sprang ein – er springt quasi noch heute. Beide waren Mitte 20, ein Luxusproblem.
Baumanns Trumpf sei die Erfahrung – heißt es nun oft, was ich für ein bisschen übertrieben halte. Er hat null EM- oder WM-Spiele absolviert sowie gerade einmal sechs Champions-League-Einsätze auf dem Buckel. Die fanden 2018 statt.
Nübel hat zwar ebenfalls kein großes Turnier gespielt, ist aber mit 29 kein Talent mehr – und hat auf deutlich höherem Niveau geliefert: 37 Einsätze in Königsklasse und Europa League, zwei Jahre Monaco, dazu U21-Vizeeuropameister und Pokalsieger 2025 mit Stuttgart.
Kurz gesagt: Nübel hat den stärkeren Lebenslauf und die bessere Form, daran gibt es nichts zu rütteln. Baumann gewann seinen letzten Titel mit 18 – den deutschen U19-Pokal.
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