Der Druck und das Drama um Kompany: Wenn irgendwann alles zu viel wird

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den Bayern-Trainer, der nach seinem Zusammenbruch im Krankenhaus liegt

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21.10.2026, Champions League FC Bayern Muenchen vs FC Arsenal, Fussball, Allianz Arena Muenchen, im Bild: Vincent Kompany (FC Bayern Muenchen) *** October 21, 2026, Champions League: FC Baye
Foto: IMAGO/Philippe Ruiz

Druck! Druck! Druck!

Ich gebe zu, ich hatte ein ganz anderes Bild von Vincent Kompany. Typ tapsiger Bär in Menschenform, den trotz der großen Aufgaben, die er zu lösen hat, und des riesigen Erfolgsdrucks, der auf ihm lastet, nichts kümmert. Einer, der nach dem Spiel erst mal einen Earl Grey in der Kabine trinkt, die Familie anruft und dabei fast die Pressekonferenz verpasst, denn es gibt ja wirklich Wichtigeres im Leben. Kompany, dachte ich immer, ist der, den keiner aus der Ruhe bringt, denn in der liegt schließlich die Kraft. Die der zwei Herzen. Oder waren es drei Titel?

Tatsache ist: Vincent Kompany ist ein Mensch wie du und ich, das wissen wir jetzt. Nur dass der 40-Jährige eben keinen Job hat wie du und ich. Er ist Fußballtrainer auf höchstem Level und kriegt es – früher täglich, heute minütlich – von allen Seiten. Und egal, wie locker er tut, irgendwann wird es eben zu viel, dann platzen die Bolzen weg wie im Film "Das Boot" bei 240 Metern Tiefe.

Große Sorge um Vincent Kompany (40)! Am Freitagnachmittag brach der Trainer des FC Bayern am Rande des U23-Trainings plötzlich zusammen. Sofort rückten Rettungskräfte an, sogar ein Helikopter war vor Ort.  Kompany wurde mit einem Rettungswagen in ein Münchner Krankenhaus gebracht. Klar ist jetzt auch: Der Belgier wird den Münchnern voraussichtlich noch mehrere Wochen fehlen! (Quelle: Bild)

Ich dachte immer: Wenn einem das Drumherum dieses Geschäfts am Arsch (sorry) vorbeigeht, dann Vincent Kompany, weil er am Spielfeldrand und in Pressekonferenzen wirkt, als zähle nur dieses wunderbar schöne Spiel, als könne der tägliche Druck an ihm keinen Schaden anrichten, zumal er ihn schön auf 190 Zentimeter und 90 Kilo Körper verteilen kann.

Aber, und auch das wussten wir ja eigentlich schon, man sollte niemals unterschätzen, was Top-Trainer heutzutage durchmachen. Sie sind das Nadelöhr, durch das alles durch muss: der angestaute Frust der Fans, der Anspruch des Vorstands und des Aufsichtsrats, die Anmerkungen des Managers, der Ärger unzufriedener Spieler, die zugespitzte Berichterstattung der Medien, auch der Kolumnisten, die alles besser wissen. Sogar die lustig gemeinten Kommentare des Bundestrainers zählen dazu. Nichts davon ist vergleichbar mit einem Job im normalen Leben.

Schaut euch doch nur mal die Trainer an. Wie sie an der Seitenlinie auf Schiris losgehen und auf- und abspringen wie Taranteln, die von noch größeren Taranteln gestochen wurden. Sie sehen während der Spiele aus, als wähnten sie hinter jeder Einwurfentscheidung das Ende der Zivilisation.

Druck, Druck, Druck!

Um 15.54 Uhr wurde Rettungshubschrauber Christoph 1 (CHX1) zur Säbener Straße bestellt. Er kam vom Klinikum Harlaching. Kompanys Zustand ist stabil. (Quelle: Bild)

Wenn der Hubschrauber kommt, dann weißt du, dass mit dir was nicht stimmt. Dann ist plötzlich alles andere egal. Dass es nicht so läuft wie üblich zum Beispiel – 2:2 gegen Augsburg oder Arsenal. Aber dann 3:1 in Freiburg, wo Kompany gestern natürlich gefehlt hat.

Wie lange fehlt er eigentlich noch? Schon diese Frage. Druck, Druck, Druck!

Bayern-Manager Max Eberl sagt: "Er wird alle Zeit bekommen. Wir fangen nicht an, irgendwelche Zeitkorridore aufzubauen. Wir werden nicht von Tagen reden, wir werden von Wochen reden, das muss uns allen klar sein."

Eberl weiß, wovon er spricht. Er litt unter Burn-out, einer "situativen Depression". Und statt Mitgefühl erhielt er von vielen Menschen den Hinweis, dass es doch logisch sei, dass er sich das nur ausgedacht habe, um schneller zu einem anderen Klub wechseln zu können.

Ich habe Uli Hoeneß einmal gefragt, 2001 muss das gewesen sein, warum er immer diese Wutausbrüche hat, wenn ihm etwas querliegt. Er antwortete: Damit ich kein Magengeschwür kriege wie Ottmar Hitzfeld.

Dieser Bayerntrainer war auch ein Typ wie heute Kompany, nichts konnte ihn scheinbar aus der Fassung bringen. Aber in ihm war die Hölle los. Ängste, Burn-out und Depressionen führten ihn an den Rand des Zusammenbruchs, aber das hat er natürlich erst zugegeben, als es zu spät war. "2004 verlor ich langsam und kontinuierlich die Kraft: Ich schaffe es nicht mehr abzuschalten", schrieb Hitzfeld später in seiner Biografie. Er wurde deshalb nicht Bundestrainer.

Alles Gute, Vincent Kompany!


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