Der BVB müsste längst vor Bayern stehen
Der Rekordmeister schwächelt, doch Schwarz-Gelb schlägt daraus zu wenig Kapital. Die fehlenden Punkte liegen nicht im Klassiker, sondern in den Spielen davor.
Borussia Dortmund bleibt in der Bundesliga ungeschlagen und steht weiter punktgleich mit Bayern auf Platz zwei. Der BVB feiert das 2:2 in München. Dabei müsste er sich eigentlich darüber ärgern, dass er in der Tabelle nicht bereits vor dem Rekordmeister steht.
„Normalerweise hättest du eigentlich tatsächlich schon in der Tabelle vor den Bayern stehen müssen“, sagt BVB-Experte Oliver Müller (Welt) im Fever Pit'ch Podcast. Denn der Rekordmeister präsentiert sich weniger souverän als in der vergangenen Saison. Zudem kämpft er mit Verletzungen, Ausfällen und außergewöhnlichen Belastungen. Und der BVB schlägt daraus zu wenig Kapital.
Dabei hat Niko Kovač die Voraussetzungen geschaffen, Bayern tatsächlich herauszufordern. Er hat den BVB defensiv stabilisiert, die früheren Leistungsschwankungen reduziert und seiner Mannschaft eine Widerstandsfähigkeit gegeben, die sie auch beim 2:2 in München zeigte. Dortmund verliert nicht mehr so leicht die Kontrolle über seine Spiele, lässt sich von Rückständen nicht aus der Bahn werfen und sammelt konstant Punkte.
Doch genau darin liegt inzwischen auch der neue Anspruch: Wer so schwer zu schlagen ist, muss aus dieser Stabilität mehr Siege machen. Sonst bleibt die Entwicklung unter Kovač zwar bemerkenswert, der sportliche Rückstand auf Bayern aber bestehen. Denn die Punkte, die Dortmund zur Tabellenführung fehlen, hat der BVB nicht im Klassiker, sondern schon vorher verschenkt. Gegen Bremen verspielte er eine 2:0-Führung, auch bei Union Berlin ließ er Zähler liegen.
Oliver Müller sieht die Ursachen weniger in der oft beschworenen fehlenden Mentalität als in mangelnder taktischer Reife und individuellen Fehlern. Felix Nmechas folgenschwerer Fehlpass gegen Bayern ist dafür ein weiteres Beispiel. Kovač hat Dortmunds fehlende Stabilität weitgehend in den Griff bekommen. Jetzt muss er auch diese Nachlässigkeiten reduzieren, damit aus möglichen Siegen nicht weiter Punktverluste werden. Denn Bayern wird seine Probleme nicht zwangsläufig durch die gesamte Saison schleppen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der Rekordmeister wieder zu größerer Konstanz findet. Dann könnten die jetzt verschenkten Dortmunder Punkte besonders teuer werden.
Der BVB muss Bayern nicht spielerisch überholen, um ihnen im Titelrennen gefährlich zu werden. Er muss nur konsequenter nutzen, was sich ihm bietet. Die Chance, Bayern unter Druck zu setzen, ist da. Ob Dortmund sie nutzt, entscheidet sich nicht an einem respektablen 2:2 in München, sondern an den Spielen, die der BVB eigentlich gewinnen muss.
Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.
Foto: Imago
Takeaways
- Borussia Dortmund bleibt in der Bundesliga ungeschlagen und steht punktgleich mit Bayern auf Platz zwei.
- Oliver Müller meint, der BVB müsste eigentlich schon vor Bayern in der Tabelle stehen.
- Niko Kovač hat den BVB defensiv stabilisiert und die früheren Leistungsschwankungen reduziert.
- Die fehlenden Punkte verschenkte Dortmund nicht im Klassiker, sondern gegen Bremen und bei Union Berlin.
- Müller sieht die Ursachen in mangelnder taktischer Reife und individuellen Fehlern, nicht in fehlender Mentalität.
- Felix Nmechas folgenschwerer Fehlpass gegen Bayern ist ein Beispiel für diese Nachlässigkeiten.
- Müller erwartet, dass Bayern wieder zu größerer Konstanz findet, wodurch die verschenkten Punkte teuer werden könnten.
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