Eine deplatzierte Fußball-WM?

Alexander Sarter über die Schwierigkeit, in Kriegs- und Krisenzeiten eine unterhaltsame Weltmeisterschaft über die Bühne zu bringen

Eine deplatzierte Fußball-WM?
Foto: Imago / Xinhua

Arbeitssklaven, Menschenrechte, Demokratie - vor vier Jahren dachten wohl viele, dass die Vorbereitungen auf eine Fußball-WM zukünftig nie mehr derart stark politisch belastet sein werden. Doch von wegen. Mittlerweile scheint Katar nur eine Vorstufe für das gewesen zu sein, was sich derzeit abspielt.

Wurde damals wenigstens noch hier und da darüber gesprochen, was sportlich denn zu erwarten sei, spielt das 100 Tage vor dem Beginn der Endrunde in Übersee so gut wie überhaupt keine Rolle. Vielleicht ändert sich das noch, wenn Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader bekannt gibt, der Tross aufbricht oder der Ball rollt. Doch momentan scheint es schwer vorstellbar, dass es der Fußball tatsächlich schaffen kann, die anderen Schlagzeilen für ein paar Wochen in den Hintergrund zu drängen.

Angesichts einer Welt im Aufruhr scheint die Endrunde vollkommen deplatziert. Krisen und Kriege rund um den Globus (inklusive bei zwei der drei WM-Gastgeber) halten die Menschheit in Atem - und dann soll plötzlich alles auf den Fußball schauen und sich die Welt in den Armen liegen? Ein geradezu absurder Gedanke in diesen Tagen.

Doch die Show muss weitergehen, so lange es nur irgendwie geht. Dafür wird die FIFA schon sorgen. Bei den rund 200 Mitgliedsländern finden sich bestimmt noch einige, die für diejenigen nachrücken, die momentan nicht zur WM können oder wollen, weil sie gerade militärisch angegriffen werden oder angreifen.

Der Ball wird jedenfalls rollen. Daran gibt es keinen Zweifel. Was daraus wird, steht in den Sternen. Doch die Zeit der Vorfreude auf friedliche WM-Feste ist seit 2018 vorbei. Ob sie jemals zurückkehrt?