Deniz Undavs Abrechnung mit Kritikern zeigt eine Dünnhäutigkeit, die ihm nicht steht

Nationalspieler äußert sich verärgert über Kritik an seiner Torquote beim VfB Stuttgart

Deniz Undavs Abrechnung mit Kritikern zeigt eine Dünnhäutigkeit, die ihm nicht steht
IMAGO/Eibner

Deniz Undav hat ein Problem mit Kritik. Das ist sein gutes Recht. Aber die Art, wie er damit umgeht, wirft Fragen auf. Der Stürmer des VfB Stuttgart hatte beim 3:0 in Mönchengladbach sein elftes Saisontor erzielt. Eine ordentliche Ausbeute für einen Angreifer, der in der Bundesliga zu den konstantesten Torschützen zählt.

Doch statt den Moment zu genießen, nutzte Undav die Bühne für eine Abrechnung. Seine Jubel-Geste, die auf- und zugehende Hand, war eine unmissverständliche Botschaft an alle, die es gewagt hatten, seine Leistungen zu hinterfragen. "Ich bin immer wieder der schlechteste Stürmer, wenn ich zwei Spiele mal kein Tor schieße", klagte der 29-Jährige nach dem Spiel. "Das nervt einfach. Deswegen wollte ich mal andeuten, dass man den Mund halten soll."

Man muss das einordnen. Undav hatte unter der Woche beim 0:2 in Rom einige Chancen vergeben. Die Niederlage brachte den VfB in der Europa League in eine schwierige Situation, Play-offs drohen nun. Dass ein Stürmer nach so einem Abend kritisch beäugt wird, gehört zum Geschäft. Es ist keine Hexenjagd, sondern Normalität im Profifußball.

Die Dünnhäutigkeit, die Undav hier zeigt, passt nicht zu einem Nationalspieler mit seinen Ambitionen. Wer auf höchstem Niveau spielen will, muss mit Druck umgehen können. Kritik nach torlosen Spielen ist kein Angriff auf die Person, sondern Teil der öffentlichen Bewertung von Leistung. Das unterscheidet den Spitzensport vom Breitensport.

VfB Stuttgart: Kein Grund zur Klage

Dabei läuft es für den VfB Stuttgart gerade richtig gut. Sechs Spiele ungeschlagen, zehn Punkte aus den ersten vier Partien des neuen Jahres, Platz vier nach 19 Spieltagen. Trainer Sebastian Hoeneß sprach von "größtem Respekt" für seine Mannschaft. Undav selbst schwärmte von einer Teamchemie, die "nochmal auf ein anderes Level gekommen" sei.

Warum also diese Gereiztheit? Warum der Drang, Kritiker mundtot zu machen, statt die eigene Klasse sprechen zu lassen?

Die Antwort liegt vielleicht in Undavs Werdegang. Er hat sich seinen Platz im Profifußball hart erarbeitet, kam spät nach oben, musste sich immer wieder beweisen. Das prägt. Aber es erklärt nicht, warum er jede kritische Stimme als persönlichen Angriff wertet.

Der VfB Stuttgart steht vor einem dichten Programm. Am Donnerstag kommen die Young Boys Bern, drei Tage später der SC Freiburg. Undav wird gebraucht, seine Tore sind wichtig für die Stuttgarter Ambitionen.

Es wäre hilfreich, wenn er seine Energie künftig ausschließlich auf dem Platz einsetzen würde. Die beste Antwort auf Kritik sind Leistungen, nicht Gesten. Das weiß eigentlich jeder Profi.