Chinas harter Kurs gegen Korruption im Fußball zeigt Europa, was möglich wäre

Der chinesische Fußballverband verhängt drastische Strafen gegen Ex-Nationaltrainer und Top-Klubs.

Chinas harter Kurs gegen Korruption im Fußball zeigt Europa, was möglich wäre
IMAGO/Kyodo News

Der chinesische Fußballverband hat durchgegriffen. 73 Personen lebenslang gesperrt, darunter Ex-Nationaltrainer Li Tie. 13 Spitzenvereine mit Punktabzug und Geldstrafen belegt. Elf der 16 Erstligisten betroffen. Das ist keine kosmetische Korrektur mehr, das ist eine Generalreinigung.

Die Zahlen sprechen für sich: Shanghai Shenhua, immerhin Vizemeister, startet 2026 mit zehn Punkten Abzug. Meister Shanghai Port verliert fünf Zähler. Die Botschaft ist unmissverständlich. Wer manipuliert, wird bestraft. Unabhängig von Titeln, unabhängig von Prestige.

Li Tie steht exemplarisch für das Ausmaß des Problems. Der frühere Everton-Profi, der die Nationalmannschaft von 2019 bis 2021 betreute, wurde bereits 2024 zu 20 Jahren Haft wegen Bestechung verurteilt. Jetzt folgt die lebenslange Sperre für alle Aktivitäten im Fußball. Ein Mann, der einst das Gesicht des chinesischen Fußballs war, ist nun dessen Mahnmal.

Unter Staatspräsident Xi Jinping hat die Antikorruptionskampagne den Fußball mit voller Wucht erfasst. Hochrangige Verbandsfunktionäre wurden ihrer Ämter enthoben, Dutzende Spieler wegen Spielmanipulation und Glücksspiel gesperrt. Der Verband spricht von einer "systematischen Überprüfung", die notwendig sei, "um die Disziplin in der Branche durchzusetzen, das Fußballumfeld zu bereinigen und einen fairen Wettbewerb aufrechtzuerhalten".

Mehr als leere Sprüche

Die Formulierung klingt nach Parteijargon. Doch dahinter steckt eine unbequeme Wahrheit: Chinas Fußball war über Jahre ein Sumpf aus Bestechung und Manipulation. Die Träume von einer Weltmacht im Fußball, die Xi Jinping einst formulierte, wurden von innen heraus sabotiert.

Ob diese Säuberungswelle den chinesischen Fußball tatsächlich auf ein neues Fundament stellt, bleibt abzuwarten. Aus dem Statement des Verbands ging nicht hervor, wann und wie die zuletzt bekannt gewordenen Spielmanipulationen stattgefunden haben. Diese Intransparenz nährt Zweifel. Wer aufräumen will, muss auch offenlegen, was er gefunden hat.

Dennoch verdient die Konsequenz Anerkennung. In Europa werden Korruptionsskandale oft mit Samthandschuhen behandelt. Verfahren ziehen sich über Jahre, Strafen fallen milde aus, Verantwortliche tauchen in anderen Funktionen wieder auf. China zeigt, dass es auch anders geht.

Die Frage ist, ob Härte allein ausreicht. Lebenslange Sperren und Punktabzüge bekämpfen Symptome. Die Ursachen liegen tiefer: in Strukturen, die Manipulation begünstigen, in einem System, das Erfolg um jeden Preis belohnt. Wer den chinesischen Fußball wirklich reformieren will, muss mehr tun als strafen. Er muss Transparenz schaffen, unabhängige Kontrollen etablieren und eine Kultur fördern, in der Integrität mehr zählt als Ergebnisse.

Die 73 Gesperrten sind Geschichte. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.