Chaos beim Afrika-Cup: Wie Ex-Bayer Mané dem afrikanischen Fußball die Würde rettete
Das Afrika-Cup-Finale war von chaotischen und beschämenden Szenen überschattet.
Das Finale des Afrika-Cups in Rabat hätte ein Fest werden sollen. Stattdessen lieferte es Bilder, die dem afrikanischen Fußball auf Jahre hinaus schaden werden. Walid Regragui, der marokkanische Nationaltrainer, fand dafür das richtige Wort: beschämend.
Ein Spiel, das mehr als zehn Minuten unterbrochen werden muss, während die ganze Welt zuschaut – das ist kein Betriebsunfall, das ist ein Offenbarungseid. Der umstrittene Elfmeterpfiff kurz vor Ende der regulären Spielzeit löste eine Kettenreaktion aus, die niemand mehr kontrollieren konnte. Das senegalesische Team verließ aus Protest den Platz, auf den Tribünen brach Chaos aus, Fans versuchten das Spielfeld zu stürmen. Nur das Eingreifen der Sicherheitskräfte verhinderte Schlimmeres.
Dass es überhaupt weiterging, ist einem Mann zu verdanken: Sadio Mané. Der 33-Jährige, früher mal beim FC Bayern und beim FC Liverpool, bewies in diesem Moment mehr Führungsqualität als alle Funktionäre zusammen. Er sprach mit seinen Mitspielern, überzeugte sie zur Rückkehr. Seine Begründung war so simpel wie entwaffnend: Er hätte lieber verloren, als ein Finale so enden zu sehen. Das ist die Haltung eines Sportlers, der verstanden hat, dass es um mehr geht als einen Pokal.
Afrika-Cup: Chaos verdrängte das Sportliche
Marokko verschoss den Elfmeter durch Brahim Díaz, der Senegal gewann durch Pape Gueyes Traumtor in der Verlängerung mit 1:0 und holte nach 2022 den zweiten Afrika-Cup-Titel. Doch der sportliche Ausgang geriet zur Randnotiz. Was bleibt, sind die Bilder des Chaos.
Die Verantwortlichen des afrikanischen Fußballs müssen sich unbequeme Fragen stellen lassen. Wie konnte es so weit kommen? Warum waren die Sicherheitsvorkehrungen offenbar unzureichend? Und vor allem: Welche Konsequenzen werden gezogen? Ein Finale im eigenen Land, vor den Augen der Weltöffentlichkeit, und dann das – der Imageschaden ist immens.
Regragui hat recht, wenn er von einem beschämenden Bild spricht. Der afrikanische Fußball kämpft seit Jahren um internationale Anerkennung, um bessere Strukturen, um seinen Platz in der globalen Fußballwelt. Abende wie dieser werfen ihn zurück. Nicht weil die Spieler versagt hätten, sondern weil die Organisation versagte.
Mané kündigte nach dem Finale an, seine Länderspielkarriere nach der WM 2026 zu beenden. Sein Trainer Pape Thiaw glaubt, das sei eine Entscheidung im Affekt gewesen. Vielleicht hat er recht. Aber man kann Mané nicht verdenken, wenn er nach solchen Szenen genug hat. Er hat dem senegalesischen Fußball alles gegeben. An diesem Abend in Rabat hat er ihm sogar die Würde gerettet.