CDU will WM 2042 – doch wer Katar kritisiert, muss selbst liefern
Es wäre die dritte Weltmeisterschaft in Deutschland nach 1974 und 2006
Die CDU will Deutschland wieder zum WM-Gastgeber machen. Das ist zunächst einmal eine Nachricht, die man zur Kenntnis nehmen kann. Ein Parteitagsantrag, der eine Bewerbung für 2042 befürwortet – also für ein Turnier in 16 Jahren. Die Frage ist nur: Warum jetzt, und warum so? Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Die Erinnerung an die Europameisterschaft 2024 ist noch frisch, die Bilder von vollen Fanzonen und friedlichen Feiern haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Deutschland kann Großereignisse, das hat der vergangene Sommer bewiesen. Die Infrastruktur steht, die Stadien sind modern, die Organisation funktioniert. Wer jetzt eine WM-Bewerbung ins Spiel bringt, surft auf einer Welle der Euphorie. Doch der CDU-Antrag geht über bloße Standortpolitik hinaus. Er formuliert einen moralischen Anspruch. Deutschland solle als Rechtsstaat und Demokratie die Werte des Fußballs vertreten, heißt es da. Eine klare Abgrenzung zu Katar 2022 und Saudi-Arabien 2034, zu Turnieren in autoritär geführten Ländern, die den Sport zur Imagepflege missbrauchen. Das klingt gut, das klingt richtig. Aber es klingt auch ein bisschen nach Selbstgefälligkeit. Denn wer sich als moralische Alternative positioniert, muss liefern. Die Forderung an die Bundesregierung, ein Konzept für die Austragung zu erarbeiten, ist der entscheidende Punkt. Ein solches Konzept müsste mehr sein als eine Auflistung von Stadien und Hotelkapazitäten. Es müsste Antworten geben auf Fragen der Nachhaltigkeit, der sozialen Verträglichkeit, der finanziellen Transparenz. Wer Katar kritisiert, kann nicht selbst im Ungefähren bleiben. Deutschland hat Erfahrung mit Weltmeisterschaften. 1974 und 2006 war das Land Gastgeber, beide Turniere gelten als erfolgreich. Das Sommermärchen von 2006 prägt bis heute das Selbstbild des deutschen Fußballs – trotz der Korruptionsvorwürfe, die später aufkamen und nie vollständig aufgeklärt wurden. Auch das gehört zur Wahrheit. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat bereits signalisiert, dass er eine Bewerbung für 2038 oder 2042 grundsätzlich für denkbar hält. Die Infrastruktur sei vorhanden, Deutschland könne selbstbewusst auftreten. Das stimmt. Aber Selbstbewusstsein allein reicht nicht. Die FIFA vergibt Turniere nach eigenen Regeln, und diese Regeln haben mit sportlichen oder demokratischen Werten oft wenig zu tun. Die Vergaben für 2030 und 2034 erfolgten ohne Gegenkandidaturen – ein Prozess, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Eine deutsche Bewerbung für 2042 wäre also ein Signal. Ob es gehört wird, steht auf einem anderen Blatt. Die CDU hat einen Antrag formuliert, nicht mehr und nicht weniger. Der Weg zu einer tatsächlichen Bewerbung ist lang, und er führt durch politische, finanzielle und sportpolitische Unwägbarkeiten. Wer ihn gehen will, braucht mehr als gute Absichten.