BVB gegen Bayern: Die größten Aufreger im Germanico
Seit rund 30 Jahren gibt es in Deutschland kein größeres Spiel als Borussia Dortmund gegen Bayern München. Wir erinnern an die fünf aufregendsten Begegnungen
Seit drei Jahrzehnten spielen Borussia Dortmund gegen Bayern München regelmäßig den Meister aus, zu den Titelfavoriten gehörten sie quasi immer. Ihre Duelle hatten vorentscheidende Wirkung – so entstand "Der deutsche Clasico" oder der "Germanico". Samstagabend treffen sie in Dortmund wieder aufeinander. Wir erinnern an die fünf aufregendsten Begegnungen in Dortmund.
Der wilde Titan
Eines der spektakulärsten Spiele stieg am 3. April 1999. Der Fünfte empfing den Tabellenführer, die Klubs trennten 20 Punkte, in einer der langweiligsten Spielzeiten überhaupt. Nur für einen Mann ging es um mehr als die Punktprämie: Bayern-Torwart Oliver Kahn hatte seinen Kasten schon 724 Minuten sauber gehalten – seinen Bundesliga-Rekord wollte er in Dortmund ausbauen.
Was die BVB-Fans von seiner Leistung hielten, bekam man am Bildschirm allzu deutlich zu sehen: Es hagelte vor Anpfiff Bananen für Kahn im Bayern-Tor. Der wurde schnell wild an diesem Tag, als seine Serie jäh endete. Heiko Herrlich traf vor der Pause zweimal. In der 21. Spielminute schufen die beiden einen Moment für die Ewigkeit. Herrlich war einem langen Ball hinterher gerannt, den er gar nicht erreichen konnte. Aber er wollte Kahn verunsichern und befolgte Jürgen Kohlers Rat, ihn ein bisschen mit dem Ellenbogen anzurempeln.
Der drückte daraufhin sein Gesicht auf Herrlichs Hals und schien ihn geradezu anzuknabbern. Herrlich: "Ich hielt mir als weitere Provokation demonstrativ die Nase zu, als ob er einen schlechten Atem hätte. Das Stadion lachte, Angst hatte ich in der Situation aber nicht. Das Ohr hat er mir nicht abgebissen."
Kahn verteidigte sich hinterher humorvoll. Er habe nur Trainer Ottmar Hitzfelds Anordnung befolgt, sich "am Gegner festzubeißen". Ebenfalls noch in der ersten Spielhälfte streckte er dem heraneilenden Stephane Chapuisat fast in Kopfhöhe das rechte Bein entgegen, nachdem er sich den Ball gesichert hatte. Später kniff er Andy Möller ins Ohr. Alles in allem wirkte Kahn ziemlich überdreht, was sein Manager Uli Hoeneß einräumte: "Oliver muss ein bisschen aufpassen, dass er nicht überzieht."
In einem sachlichen Moment begründete Kahn sein Verhalten schließlich so: "Ich habe eine Woche lang bei der Nationalelf nur auf die Fresse bekommen. Da hat sich bei mir Aggression aufgestaut. Je mehr sie mir auf die Fresse hauen, desto stärker werde ich."
Eines aber hatte Kahn auf alle Fälle bewirkt: Er hat seine Mannschaft geweckt. Kahn: "Ich hatte den Eindruck, da wehrt sich keiner." Obwohl nach Kuffours Platzverweis (36.) dezimiert, holten sie nun das 0:2 noch auf und nahmen einen Punkt mit nach München.
Das Kartenfestival 2001
Vor 24 Jahren gab es in der Woche vor Ostern ein einmaliges Kartenfestival in der Bundesliga.
Die Bayern unter Ottmar Hitzfeld strebten den Hattrick in der Meisterschaft an und tanzten noch auf zwei Hochzeiten, also Champions League und DFB-Pokal. In jenen Tagen spielten sie eher zweckmäßigen Fußball und waren keineswegs souverän. Von 27 Spielen hatten sie schon acht verloren. Weshalb die Meisterschaft 2000/2001 richtig spannend wurde.
Der BVB hatte sich nach einer Krisensaison mit Fastabstieg wieder erholt und lag unter Jungtrainer Matthias Sammer, damals 33, nur einen Punkt hinter den Münchnern. Ausverkauftes Haus, der TV-Sender Premiere übertrug die Abendpartie, die um 20 Uhr angepfiffen wurde, live. Wer auf beste Samstagabendunterhaltung gehofft hatte, wurde freilich enttäuscht. Die sich über die Jahre aufgeschaukelte Rivalität entlud sich in ungekannter Intensität. Wobei sich die Beobachter hinterher nicht einig waren, wer oder was schlimmer war: die Unfairness der Spieler oder die Leistung des Schiedsrichters.