Bayer Leverkusens wahres Problem ist nicht der Gegner, sondern die eigene Formkrise
Der Ex-Meister will und muss die Play-offs in der Champions League erreichen.
Kasper Hjulmand strahlt Zuversicht aus, und das ist sein Job. Der Trainer von Bayer Leverkusen spricht von Bereitschaft, von Qualität im Kader, von einem klaren Ziel. Alles richtig, alles professionell. Doch hinter den routinierten Worten verbirgt sich eine unbequeme Wahrheit: Dieses Leverkusen hat ein Problem, und es heißt nicht Olympiakos Piräus heute Abend.
Die Fakten sind eindeutig. Zwei Bundesliga-Niederlagen zum Jahresstart, gegen Stuttgart ein 1:4, gegen Hoffenheim ein 0:1. Das sind keine Ausrutscher gegen übermächtige Gegner, das sind Niederlagen gegen direkte Konkurrenten, die schmerzen und Fragen aufwerfen. Wenn Ibrahim Maza nun von Wut spricht, die im Stadio Georgios Karaiskakis rausgelassen werden soll, dann klingt das nach dem verzweifelten Versuch, negative Energie in positive umzuwandeln. Ob das funktioniert, wird sich zeigen.
Die Ausgangslage in der Champions League ist dabei durchaus komfortabel. Mit neun Punkten nach sechs Spieltagen hat Leverkusen gute Karten, die Play-offs zu erreichen. Ein Sieg in Griechenland könnte dieses Ziel bereits sichern. In der Vorsaison reichten elf Zähler für einen Platz in der K.o.-Runde. Die Rechnung ist simpel, die Umsetzung weniger.
Mahnung vom Bayer-Trainer
Denn Hjulmand weiß selbst, dass sein Team sich steigern muss. Er mahnt, warnt vor einem schwierigen Gegner, spricht von einem engen Spiel. Das Stadion von Olympiakos ist bekannt für seine aufgeheizte Atmosphäre, für Fans, die ihre Mannschaft nach vorne peitschen. Leverkusen wird dort nicht mit Halbheiten durchkommen.
Erschwerend kommt hinzu, dass Stammkeeper Mark Flekken mit einer Bänderverletzung ausfällt. Janis Blaswich wird wohl zwischen den Pfosten stehen und seine Chance bekommen. Hjulmand betont die Qualität seines Kaders, fokussiert sich auf die verfügbaren Spieler. Das ist die einzig richtige Herangehensweise, doch sie kaschiert nicht, dass der Ausfall eines eingespielten Torhüters in einem wegweisenden Spiel keine Kleinigkeit ist.
Was Leverkusen jetzt braucht, ist keine weitere Durchhalteparole, sondern eine Reaktion auf dem Platz. Die Mannschaft hat in der vergangenen Saison bewiesen, dass sie Krisen meistern kann. Doch jede Saison schreibt ihre eigene Geschichte, und diese hier hat gerade ein schwieriges Kapitel aufgeschlagen.
Hjulmand hat recht, wenn er sagt, sein Team sei bereit. Die Frage ist nur: bereit wofür? Für einen Befreiungsschlag, der die Zweifel zerstreut? Oder für eine weitere Enttäuschung, die den Druck weiter erhöht? Die Antwort gibt es am Dienstagabend in Piräus. Dann wird sich zeigen, ob die Wut, von der Maza spricht, tatsächlich produktiv kanalisiert werden kann – oder ob sie nur ein weiteres Symptom einer Mannschaft ist, die gerade nach ihrer Form sucht.