Ausgerechnet Katar will Frauen-Klub-WM ausrichten – und entblößt damit die FIFA

Katar plant, die erste Klub-Weltmeisterschaft der Frauen auszurichten.

Ausgerechnet Katar will Frauen-Klub-WM ausrichten – und entblößt damit die FIFA
IMAGO/Cavan Images

Katar will also die erste Klub-Weltmeisterschaft der Frauen ausrichten. Man muss diese Meldung einen Moment sacken lassen, um ihre ganze Absurdität zu erfassen. Ein Land, das seit 2014 kein Spiel seiner Frauen-Nationalmannschaft mehr bestritten hat, bewirbt sich um ein Turnier, das den Frauenfußball auf Klubebene krönen soll. Das ist ungefähr so, als würde ein Vegetarier-Restaurant die Grillweltmeisterschaft ausrichten wollen. Die Gespräche zwischen Katar und der FIFA laufen bereits, auch wenn formelle Angebote laut Weltverband noch nicht eingegangen sind. Das ist die übliche Choreografie: Erst werden Fakten geschaffen, dann wird so getan, als sei alles ergebnisoffen. Wer die Vergabe der Männer-WM 2022 verfolgt hat, kennt dieses Spiel. Die FIFA und Katar pflegen seit Jahren eine Beziehung, die man diplomatisch als eng bezeichnen könnte. Der Interkontinental-Pokal, die U17-WM bis 2029 – das Emirat hat sich als verlässlicher Gastgeber etabliert, zumindest aus Sicht des Weltverbands. Doch bei einem Frauenturnier gelten andere Maßstäbe. Oder sollten es zumindest. Die Kritik an Katar während der WM 2022 drehte sich nicht nur um die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen. Sie drehte sich auch um die systematische Diskriminierung von Frauen und queeren Menschen. Ein Land, das Homosexualität unter Strafe stellt und Frauen rechtlich benachteiligt, soll nun die Bühne für den internationalen Frauenfußball bereiten. Das ist kein Widerspruch, den man mit ein paar PR-Maßnahmen auflösen kann. Das katarische Frauen-Nationalteam wurde 2009 gegründet, im Zuge der WM-Bewerbung. Es war ein Feigenblatt, und es wurde behandelt wie eines. Seit einem Jahrzehnt existiert es praktisch nur auf dem Papier. In der FIFA-Weltrangliste taucht es nicht einmal auf. Wer so mit dem eigenen Frauenfußball umgeht, dem fehlt jede Glaubwürdigkeit, ein globales Frauenturnier auszurichten. Die FIFA steht vor einer Grundsatzentscheidung. Sie kann das Geld nehmen und die Klub-WM der Frauen nach Katar vergeben. Die Infrastruktur steht, die Stadien sind klimatisiert, die Schecks werden nicht platzen. Oder sie kann ein Zeichen setzen und zeigen, dass der Frauenfußball mehr ist als ein Geschäftsmodell. Dass es um Werte geht, um Teilhabe, um Respekt. Die Geschichte der FIFA lässt wenig Raum für Optimismus. Aber vielleicht ist genau das der Moment, in dem sich entscheidet, ob der Weltverband den Frauenfußball ernst nimmt oder ihn nur als Wachstumsmarkt betrachtet. Die Antwort wird nicht in Pressemitteilungen stehen. Sie wird in der Vergabeentscheidung stehen.