Ajax Amsterdam setzt auf einen Cruyff – doch ein großer Name ersetzt keine Strategie

Jordi Cruyff tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird Technischer Direktor

Ajax Amsterdam setzt auf einen Cruyff – doch ein großer Name ersetzt keine Strategie
IMAGO/MAXPPP

Die Rückkehr eines Namens ist noch keine Strategie. Aber sie kann ein Signal sein. Ajax Amsterdam holt Jordi Cruyff als Technischen Direktor – und setzt damit auf die emotionale Kraft einer Legende, die der 51-Jährige nie war und nie sein wollte.

Jordi Cruyff beginnt am 1. Februar, sein Vertrag läuft bis 2028. Das ist eine bemerkenswerte Laufzeit für einen Mann, dessen Karriere als Funktionär bislang eher von Stationen in der zweiten Reihe geprägt war: Berater beim indonesischen Verband, Trainer in Ecuador, bei Maccabi Tel Aviv, in China. Keine dieser Stationen schreit nach dem großen Wurf. Aber Ajax schreit gerade nach allem.

Der Rekordmeister liegt 18 Punkte hinter PSV Eindhoven. John Heitinga wurde im November entlassen. Die Trainersuche läuft, und sie wird Cruyffs erste Bewährungsprobe. Wer soll diesen Kader führen, der zwischen Anspruch und Wirklichkeit zerrieben wird? Wer passt zur DNA eines Klubs, der sich selbst als Ausbildungsstätte von Weltklasse versteht, aber seit Jahren keine mehr produziert?

Cruyff selbst gibt sich demütig

Jordi Cruyff spricht von seinem großen Vater, von der Familie, von der Bedeutung dieser Aufgabe. „Es versteht sich von selbst, wie viel mir und meiner Familie das bedeutet", sagt er. Er hoffe, seinen Vater „stolz" zu machen. Das sind keine leeren Worte. Johan Cruyff führte Ajax zu Beginn der 1970er-Jahre zu drei Europapokalsiegen nacheinander. Das Stadion trägt seinen Namen. Der Schatten ist lang.

Aber genau hier liegt das Risiko. Ajax hat in den vergangenen Jahren zu oft auf Nostalgie gesetzt, auf große Namen, auf die Hoffnung, dass Vergangenheit Zukunft garantiert. Marc Overmars kam und ging. Edwin van der Sar kam und ging. Die sportliche Talfahrt setzte sich fort. Jetzt also der Sohn der größten Vereinsikone. Die Versuchung ist groß, darin mehr zu sehen als einen Personalwechsel.

Jordi Cruyff muss beweisen, dass er mehr ist als ein Name. Dass er Strukturen schaffen kann, Talente erkennt, Trainer findet, die funktionieren. Dass er Entscheidungen trifft, die wehtun, wenn sie wehtun müssen. Seine Vita gibt darauf keine eindeutige Antwort.

Was bleibt, ist ein Anfang. Nicht mehr, nicht weniger. Ajax braucht keinen Heilsbringer, sondern einen Arbeiter mit klarem Blick. Ob Jordi Cruyff das sein kann, wird sich nicht an seinen Worten messen lassen, sondern an seinen Entscheidungen. Die erste steht unmittelbar bevor.