182 Mitglieder entscheiden bei RB Leipzig – so groß ist die Fassade

Der Bundesligist inszeniert Vereinsdemokratie, während die Macht beim Konzern liegt. Das wirft eine unbequeme Frage für den deutschen Fußball auf.

182 Mitglieder entscheiden bei RB Leipzig – so groß ist die Fassade
IMAGO/Nordphoto

182 Mitglieder. Das ist die Zahl, die mich an diesem Wochenende nicht loslässt. 182 Menschen haben über den Aufsichtsratsvorsitz eines Bundesligisten abgestimmt. Bei Borussia Dortmund wären es Tausende, beim FC Bayern noch mehr. Bei RB Leipzig reicht ein gut gefüllter Hörsaal.

Oliver Mintzlaff wurde also wiedergewählt. Der 50-Jährige bleibt Vorsitzender des Aufsichtsrats, bestätigt von einer Versammlung, die in ihrer Größe eher an einen Kegelclub erinnert als an einen europäischen Spitzenklub. Ich sage das nicht, um RB Leipzig zu diskreditieren. Ich sage das, weil diese Zahl das Wesen dieses Konstrukts offenlegt wie kaum eine andere.

Mintzlaff ist seit 2022 Teil der Geschäftsführung der Red Bull GmbH. Gleichzeitig führt er den Aufsichtsrat jenes Klubs, den der Konzern finanziert, formt und kontrolliert. Das ist keine Interessenverflechtung am Rande. Das ist das System. Der Mann, der im Konzern mitentscheidet, überwacht den Klub, der vom Konzern abhängt. Wer hier eine unabhängige Kontrolle erwartet, hat das Modell nicht verstanden.

Dabei will ich Mintzlaffs Verdienste nicht kleinreden. Als Geschäftsführer von 2014 bis 2022 hat er den sportlichen Aufstieg des Klubs maßgeblich geprägt. RB Leipzig spielte plötzlich um die Meisterschaft, erreichte ein Champions-League-Halbfinale, etablierte sich in der Spitzengruppe der Bundesliga. Das war kein Zufall, das war professionelle Arbeit. Mintzlaff versteht sein Handwerk.

Aber genau hier liegt der Kern meiner Kritik: Dieser Erfolg wurde nicht durch demokratische Teilhabe ermöglicht, sondern trotz ihrer Abwesenheit. Die 182 Mitglieder sind keine Kontrollinstanz. Sie sind Staffage. Sie legitimieren ein Modell, das Legitimation eigentlich nicht braucht, weil die Macht längst woanders liegt.

Die Mitgliederversammlung nahm den Jahresabschluss entgegen, entlastete den Vorstand. Alles ordnungsgemäß, alles sauber. Und doch bleibt ein Unbehagen. Denn was hier als Vereinsdemokratie inszeniert wird, ist in Wahrheit Konzernsteuerung mit Satzungsfassade.

Ich habe nichts gegen wirtschaftlichen Erfolg im Fußball. Ich habe nichts gegen Investoren, die Klubs voranbringen. Aber ich habe etwas gegen die Behauptung, dies sei ein Verein wie jeder andere. RB Leipzig ist ein Projekt. Ein erfolgreiches, ein professionelles, aber halt mit Fassade.