1. FC Köln: Kwasniok schützt sein bestes Talent vor sich selbst – und hat damit recht

Der Trainer des 1. FC Köln dosiert Einsatzzeiten des Topstürmers.

1. FC Köln: Kwasniok schützt sein bestes Talent vor sich selbst – und hat damit recht
IMAGO/Mika Volkmann

Said El Mala ist das wertvollste Gut, das der 1. FC Köln gerade besitzt. Ein Toptalent, das Spiele entscheiden kann. Ein Spieler, dessen Marktwert mit jedem Treffer steigt. Und genau deshalb macht Lukas Kwasniok etwas, das in der aufgeregten Fußballwelt selten geworden ist: Der Trainer schützt seinen besten Mann vor sich selbst.

Die Logik dahinter ist simpel und richtig zugleich. El Mala ist noch nicht so weit, drei Spiele pro Woche von Beginn an durchzustehen. Das sagt der Trainer, und man sollte ihm glauben. Kwasniok kennt seinen Kader, er kennt die Belastungsgrenzen eines jungen Spielers, der noch im Aufbau ist. Die Versuchung, den besten Torschützen des Vereins in jeder Partie von Anfang an aufzustellen, ist groß. Ihr zu widerstehen, zeugt von Weitsicht.

Die erfolgreichste Phase der Kölner Saison fiel nicht zufällig mit El Malas Joker-Rolle zusammen. Der Spieler kam frisch, wenn die Gegner müde wurden. Er traf, wenn es darauf ankam. Diese Strategie hat funktioniert, und es gibt keinen vernünftigen Grund, sie jetzt aufzugeben. Kwasniok formuliert es nüchtern: Er will El Mala in Scoring-Momente bringen. Das ist keine Degradierung, das ist ein Plan.

Kritik an Kwasniok verständlich

Natürlich gibt es Kritik. Sieben Ligaspiele ohne Sieg hinterlassen Spuren, auch bei den Fans. Das Plakat in Heidenheim war unmissverständlich, und Kwasniok gibt zu, dass es ihn getroffen hat. Das ist menschlich und ehrlich. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass der Trainer einen klaren Kurs verfolgt. Er bezeichnet sich selbst als Wegbegleiter El Malas, nicht als Fan. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein Fan würde den Spieler in jeder Minute auf dem Platz sehen wollen. Ein Wegbegleiter denkt langfristig.

Sportdirektor Thomas Kessler stellt sich vor seinen Trainer. Die Rückendeckung sei vollständig, der Dialog mit den Fans konstruktiv. Köln steht trotz der Durststrecke auf Rang elf, der Saisonstart trägt noch. Das ist kein Grund zur Panik, auch wenn die Ungeduld wächst.

Gegen Bayern München wird El Mala vermutlich wieder von der Bank kommen. Vielleicht trifft er erneut in der Schlussphase, vielleicht entscheidet er das Spiel. Kwasniok setzt darauf, und seine Argumente sind stichhaltig. Wer ein Talent wie El Mala nachhaltig entwickeln will, muss ihm auch mal Pausen gönnen. Das ist keine Schwäche, das ist Professionalität.